Altenburg (Männer)

Neben dem bereits existierenden Lager Altenburg (Frauen) richtete die SS im November 1944 in Altenburg auch ein Männer-Außenlager des KZ Buchenwald ein. Von den etwa 85 überwiegend jüdischen Häftlingen, die für die Hugo-Schneider AG Zwangsarbeit leisten mussten, kamen mindestens zwei ums Leben. Heute befindet sich vor Ort eine Gedenktafel und eine kleine Ausstellung.

Historische Situation

Bezeichnung

Männeraußenlager bei der Hugo-Schneider AG (Hasag), Altenburg/Thüringen

Standort

Das Lager befand sich innerhalb des Industriekomplexes der Hugo Schneider AG (Hasag) in der damaligen Hugo Schneider Straße (heute Poststraße).

Unternehmen

Munitionsfabrik Hugo Schneider AG (Hasag)

Zwangsarbeit

Produktion von Granaten, Panzerfäusten und Patronenhülsen

Gegründet

27. November 1944

Aufgelöst

12. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

200

Am 27. November 1944 wurde neben dem in Altenburg bereits existierenden Frauen-Außenlager zusätzlich ein Männer-Außenlager eingerichtet. Das Altenburger Lager war auch ein Zwischen- bzw. Durchgangslager. Nach derzeitigem Stand kamen insgesamt 4.029 Frauen und Männer in Altenburg an. Im Männerlager verblieben zum Arbeiten zunächst 50 Männer aus Buchenwald, überwiegend Juden aus dem Deutschen Reich, Lettland, Polen und Ungarn sowie Staatenlose. Bis Mitte Februar stieg die Zahl auf 85 Häftlinge an. Am 14. März 1945 wurden 115 weitere Männer aus Buchenwald nach Altenburg abkommandiert, wo sie am nächsten Tag in der Stärkemeldung aufgeführt wurden, die Gesamtzahl stieg dadurch vermutlich auf etwa 200 Häftlinge. Mindestens zwei Männer kamen ums Leben. Am 12. April 1945 ließ die SS das Lager räumen und trieb die Überlebenden auf einen Fußmarsch nach Osten. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

51.00894344 12.43163913 NO Poststraße, Altenburg 11/2012 © Herbert Naumann
51.00894344 12.43163913 NO
Poststraße, Altenburg
11/2012 © Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Am 8. Mai 2006 wurde mit einem öffentlichen Akt am ehemaligen Verwaltungsgebäude des Rüstungskonzerns in der Poststraße eine Gedenktafel an der Außenfassade angebracht und eingeweiht. Sie trägt folgenden Text: „Gelände des KZ Außenlagers Altenburg 1944/45 Während der Jahre des zweiten Weltkrieges mussten im Zweigwerk Altenburg der Hugo-Schneider AG (Hasag) Tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge für die Rüstung arbeiten. Am 1. August 1944 eröffnete die SS hier ein KZ-Außenlager für Frauen, das ab 1944 von Buchenwald verwaltet wurde. Die mehr als 2.400 Frauen und Mädchen aus vielen europäischen Ländern, darunter Polinnen, ungarische Jüdinnen, Sinti und Roma, arbeiteten täglich zwölf Stunden. Später kam ein Außenlager für Männer hinzu. Mindestens zehn Frauen und zwei Männer kamen hier ums Leben. Hunderte Kranke und Schwache wurden nach Ravensbrück und Buchenwald zurückgeschickt oder in Auschwitz ermordet. Am 12. April 1945 räumte die SS das Lager. Seine Insassen gingen in den Todesmarsch. Unser Schicksal sei Euch Warnung und nicht Legende.“ Im Treppenhausbereich des ehemaligen Direktionsgebäudes befindet sich eine kleine Ausstellung, die Zeugnis sein soll. Geplant sind zwei weitere Räume zur Thematik. Einer davon ist als Ausstellungsraum gedacht und der zweite soll Schulklassen die Möglichkeit bieten, zu dieser Thematik zu arbeiten.

Kontakt vor Ort

Stadtverwaltung Altenburg Markt 1 04600 Altenburg

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Blaas, Diana / Brumme, Christian / Otto, Felix: Die HASAG in Altenburg. Zwangsarbeit und KZ-Häftlinge des Außenlagers Buchenwald im Rüstungskonzern, Altenburg.

Biedermann, Charles-Claude: Altenburg (Männer), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 365f.

Hauthal, Günter: Über das Zweigwerk des Rüstungskonzerns HASAG und das Außenlager des KZ Buchenwald in Altenburg-Nord, in: Altenburger Geschichts- und Hauskalender, Bd. 16 (2006/2007), S. 107-111.

Schreiber, Ursula: KZ Buchenwald - Außenlager Altenburg, in: Altenburger Geschichts- und Hauskalender, Bd. 17 (2007/2008), S. 80-81.

Andere Quellen

Es liegt die Diplomarbeit eines Sozialstudenten zur Thematik vor, unter dem Titel „Oma was war die Hasag?“. Ein Belegexemplar befindet sich in der Stadtverwaltung Altenburg.
Zudem existiert eine weitere Diplomarbeit mit dem Titel „Die Hugo Schneider AG Hasag und deren Produktion in den Jahren 1933 bis 1945“.