Halberstadt

Im Juli 1944 wurden Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen nach Halberstadt verlegt und zur Zwangsarbeit für die Junkers-Werke eingesetzt. Bis Anfang des Jahres 1945 stieg Belegung auf über 900 Gefangene, überwiegend Franzosen, Russen und Polen. Mitte April 1945 wurden sie auf Todesmärsche getrieben, die teilweise bis Anfang Mai andauerten und bei denen zahlreiche Häftlinge ums Leben kamen. Auf dem ehemaligen Werksgelände ist seit 2004 eine Informationstafel angebracht.

Historische Situation

Bezeichnung

keine Informationen

Standort

Das Lager befand sich an der Quedlinburger Landstraße, unmittelbar neben dem Junkers-Flugzeugwerk. In Sichtweite befanden sich weitere Lager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.

Unternehmen

Junkers Flugzeug- und Motorenwerke

Zwangsarbeit

Produktion von Tragflächenteilen, später auch Bauarbeiten

Gegründet

26. Juli 1944

Aufgelöst

9. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

944

Im Juli 1944 wurden etwa 500 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen über Buchenwald nach Halberstadt verlegt. Bis Anfang des Jahres 1945 stieg die Zahl der Häftlinge auf bis zu 944. Es handelte sich überwiegend um Franzosen, Russen und Polen. Neben den KZ-Häftlingen waren auch deutsche Vorarbeiter, ausländische zivile Arbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Werk beschäftigt.
Mindestens 20 Häftlinge kamen vor Ort ums Leben. Im Januar und Februar 1945 wurden jeweils mehr als 200 Männer nach Langenstein-Zwieberge verlegt, wo die Überlebenschancen deutlich geringer waren. Ab 9. April 1945 wurden die Häftlinge auf Todesmärsche getrieben, die teilweise bis zum 4. Mai andauerten und bei denen zahlreiche Häftlinge ums Leben kamen.

Unterbringung

Das Lager bestand aus einem Appellplatz, drei Unterkunftsbaracken sowie einem Funktionsgebäude mit Toiletten, Küche, Vorratslager und Krankenrevier.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Auf dem ehemaligen Werksgelände brachten Schüler:innen des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte Halberstadt im April 2004 eine Informationstafel an. Bis auf eine ehemalige Baracke, die aber umgebaut und deren Standort verändert wurde, sind keine Gebäude erhalten.

Kontakt vor Ort

Städtisches Museum Halberstadt Domplatz 36 38820 Halberstadt

E-Mail: staedtischesmuseum@halberstadt.de Internet: www.museum-halberstadt.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Wesenberg, Denise / Fauser, Ellen: Halberstadt, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 455ff.