Taucha (Frauen)

Im September 1944 richtete die SS im Auftrag der Hugo Schneider AG ein Außenlager in Taucha mit bis zu 1.352 weiblichen Häftlingen ein. Die Frauen, darunter viele Sinti und Romnija, Jüdinnen sowie politische Gefangene, mussten in 12-Stunden-Schichten Kartuschehülsen und Granatmunition produzieren. Hunderte wurden aus Taucha nach Auschwitz, Ravensbrück oder Bergen-Belsen deportiert. Im April 1945 trieb die SS die verbliebenen Frauen auf einen Todesmarsch. Vor Ort gibt es heute mehrere Gedenkzeichen.

Historische Situation

Bezeichnung

keine Informationen

Standort

Das Lager befand sich in der Freiherr-vom-Stein-Straße.

Unternehmen

Hugo Schneider AG (HASAG)

Zwangsarbeit

Die Frauen mussten in 12-Stunden-Schichten Kartuschehülsen und Granatmunition produzieren.

Gegründet

7. September 1944

Aufgelöst

14. April 1945

Schon seit 1940 setzte die HASAG in ihrem Werk in Taucha männliche und weibliche „Zwangsverpflichtete“ sowie Kriegsgefangene ein. Am 7. September 1944 trafen die ersten Häftlinge in einem eigens eingerichteten, mit Stacheldraht und Wachtürmen versehenen KZ-Außenlager ein.

Häftlinge

Frauenlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.352

Mit dem ersten Transport trafen am 7. September 1944 etwa 500 Sinti und Romnija ein, die zuvor bereits in Auschwitz und Ravensbrück sowie in den HASAG-Außenlagern Schlieben und Altenburg gewesen waren. Taucha wurde damit das Buchenwalder Frauen-Außenlager mit der höchsten Anzahl an Sinti und Romnija. Zwei weitere Transporte mit jeweils 300 Frauen trafen am 16. September und am 6. Oktober ein, diesmal handelte es sich um politische Häftlinge aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Kroatien, Litauen, Polen, Tschechien, Serbien und den USA. Der letzte Transport bestand am 10. Oktober aus 400 Jüdinnen aus Auschwitz.
Insbesondere die Sinti- und Romafrauen sowie die Jüdinnen wurden gezielt zu körperlich schwerer und gesundheitsschädlicher Arbeit herangezogen. Schon am 11. Oktober 1944 wurden 168 durch die Zwangsarbeit geschwächte und kranke Frauen zurück nach Auschwitz deportiert. Bis Februar 1945 wurden weitere 70 Kranke und „Arbeitsunfähige“ nach Ravensbrück geschickt. Dafür wurden 100 weitere Frauen aus dem Außenlager Leipzig (HASAG) nach Taucha verlegt, wodurch die Belegungszahl auf den Höchststand von 1.352 Frauen stieg.
Im Vorfeld der Auflösung des Außenlagers wurden 150 Schwerkranke nach Bergen-Belsen deportiert. Am 14. April 1945 trieb die SS etwa 1.200 Frauen, die noch als marschierfähig angesehen wurden, aus dem Lager. Die Zurückgebliebenen wurden von amerikanischen Truppen befreit. Auf dem Todesmarsch gelang vielen Frauen die Flucht, doch zahlreiche erschöpfte Frauen wurden von der SS erschossen. Auf sudetendeutschem Gebiet wurden die Überlebenden von sowjetischen und amerikanischen Truppen befreit.

Unterbringung

Die Unterbringung erfolgte in stacheldrahtumzäunten Baracken. Bis Ende 1944 gab es keine sanitären Anlagen, erst nach deren Fertigstellung konnten sich die Häftlinge gelegentlich waschen.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

1963 wurde in Taucha am „Kleinen Schöppenteich“ ein Ehrenmal für Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Opfer der Außenlager eingeweiht. 1985 entstanden zwei weitere Mahnmale für die in den Lagern Umgekommenen.

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Literatur

Schellenberg, Martin: Die „Schnellaktion Panzerfaust“. Häftlinge in den Außenlagern des KZ Buchenwald bei der Leipziger Rüstungsfirma HASAG, in: Dachauer Hefte, 21 (2005), S. 237-271.

Seidel, Irmgard: Taucha (Frauen), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 582-585.