Torgau

Für die Heeresmunitionsanstalt Torgau richtete die SS im September 1944 ein Außenlager mit bis zu 500 weiblichen Häftlingen ein. Die Frauen wurden in 12-Stunden-Schichten zur Bomben- und Munitionsproduktion sowie zur Entschärfung von Blindgängern gezwungen. Unter den Häftlingen waren zunächst viele Mitglieder der Résistance, später wurden sie durch ungarische Jüdinnen ersetzt. Anfang April 1945 setzte sich die SS-Wachmannschaft ab.

Historische Situation

Bezeichnung

keine Informationen

Unternehmen

Heeresmunitionsanstalt Torgau

Zwangsarbeit

Die Frauen wurden in 12-Stunden-Schichten zur Bomben- und Munitionsproduktion sowie zur Entschärfung von Blindgängern herangezogen. Durch den ungeschützten Umgang mit giftigen Chemikalien erlitten viele bleibende Haut- und Lungenschäden.

Gegründet

4. September 1944

Aufgelöst

10. April 1945

Häftlinge

Frauenlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

500

Bei den zunächst etwa 500 Häftlingen handelte es sich um aus politischen Gründen verhaftete Frauen und Mädchen aus Frankreich, viele davon Mitglieder der Résistance. Weiterhin befanden sich wenige Frauen aus den USA, der Schweiz, England, Italien, Belgien, Dänemark, Polen und Russland im Lager, die ebenfalls in Frankreich verhaftet worden waren. Innerhalb der ersten Wochen starben zwei Frauen. Schon Anfang Oktober 1944 wurden die übrigen jeweils zur Hälfte in das Außenlager Abteroda und zurück nach Ravensbrück verlegt. Danach stand das Lager einige Wochen leer, bis auf acht aus unterschiedlichen Gründen zurückgebliebene Französinnen.
Am 18. November 1944 trafen 250 ungarische Jüdinnen in Torgau ein, die die Selektionen in Auschwitz überlebt hatten und fortan in der Fabrik arbeiten mussten. Unter ihnen sind keine Todesfälle dokumentiert. Anfang April 1945 setzte sich die SS-Wachmannschaft ab. Die Frauen wurden sich selbst überlassen, blieben jedoch aus Furcht vor der deutschen Bevölkerung vor Ort. Vermutlich Mitte April befreiten amerikanische Truppen das Lager.

Unterbringung

Das Häftlingslager war mit Stacheldraht umgeben und lag 15 bis 20 Minuten von der Fabrik entfernt. Zur Unterbringung diente ein Steingebäude sowie einige Holzbaracken. Zudem gab es ein Krankenrevier, eine Küchenbaracke, eine Schneiderei sowie Waschräume mit kaltem Wasser. Auch die Wohnbaracken der SS befanden sich innerhalb des Stacheldrahts.

Heutige Situation

Das ehemalige Lagergelände wurde bis Anfang der 1990er Jahre von sowjetischen Truppen genutzt. 1991 wurde das das Dokumentations- und Informationszentrum Torgau eingerichtet, das sich mit verschiedenen Aspekten der örtlichen NS- und DDR-Geschichte befasst.

Kontakt vor Ort

Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Dokumentations- und Informationszentrum Torgau Schlossstraße 27 04860 Torgau / Elbe

Telefon: 03421 713468 E-Mail: diz.torgau@stsg.de Internet: www.stsg.de

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Literatur

Seidel, Irmgard: Torgau, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 590ff.