Weferlingen

Unter dem Decknamen „Gazelle“ richtete die SS im August 1944 ein Außenlager in Weferlingen ein. Die etwa 500 Häftlinge mussten in Schächten in der Umgebung Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten. Zahlreiche kranke und entkräftete Häftlingen wurden zurück nach Buchenwald geschickt, so sie innerhalb kurzer Zeit starben. Im April 1945 wurde das Außenlager von alliierten Truppen befreit. Auf dem Friedhof Walbeck befindet sich heute ein Gedenkstein, in der Kirche St. Michael wurde ein Gedenkraum eingerichtet.

Historische Situation

Bezeichnung

Deckname „Gazelle“

Unternehmen

Auftreggeber waren unter anderem der Rüstungskonzern Henschel sowie die Büssing Nutzkraftwagenwerke AG, Braunschweig.

Zwangsarbeit

Bauarbeiten im Schacht „Gerhard“ bei Walbeck sowie im Schacht Buchberg, Produktion von Motoren für Flugzeuge und U-Boote unter Tage

Gegründet

22. August 1944

Aufgelöst

12. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

500

Die Belegung des Außenlagers bestand aus durchschnittlich etwa 500 Häftlingen, überwiegend aus Polen, Frankreich, der Sowjetunion, Italien und Deutschland. Die Zwangsarbeit unter Tage richtete die Häftlinge gesundheitlich zu Grunde. Mindestens 13 Häftlinge starben vor Ort. Wöchentlich gingen Transporte mit kranken und entkräfteten Häftlingen nach Buchenwald, die durch andere Häftlinge ausgetauscht wurden. Der größte Rücktransport bestand am 6. Februar 1945 aus 65 Häftlingen. Die meisten von ihnen starben innerhalb kurzer Zeit im Stammlager. Ab Februar 1945 waren noch etwa 440 bis 460 Häftlinge vor Ort. Das Lager wurde nicht „evakuiert“, sondern am 12. April 1945 von alliierten Truppen befreit.

Unterbringung

Die Häftlinge waren teilweise in Zelten oder Baracken untergebracht, teilweise mussten sie permanent im Schacht verbleiben. Zum Schlafen standen lediglich provisorische Lattenroste und Strohsäcke zur Verfügung.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

52.28449965 11.04843199 O Kalischacht Buchberg, Weferlingen 08/2013 © Herbert Naumann
52.28449965 11.04843199 O
Kalischacht Buchberg, Weferlingen
08/2013 © Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Auf dem Friedhof Walbeck, wo laut Sterberegister drei KZ-Häftlinge bestattet sind, befindet sich ein Gedenkstein. In der Kirche St. Michael der Kirchengemeinde Walbeck wurde ein Gedenkraum eingerichtet.

Kontakt vor Ort

Kirchengemeinde Walbeck

Internet: www.pfarrbereich-weferlingen.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Baranowski, Frank: Weferlingen („Gazelle“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 599-602.