Langensalza

Im Auftrag der Junkers-Werke entstand im Oktober 1944 ein Männeraußenlager in Langensalza. Die Zahl der Häftlinge stieg bald auf über 1.000 an. Das Lager diente auch als zentrales Straflager für entflohene und wiederergriffene Häftlinge. Mindestens 22 von ihnen kamen ums Leben. Anfang April 1945 trieb die SS die überlebenden Häftlinge auf einen mehrtägigen Todesmarsch nach Buchenwald getrieben. 1966 wurde ein Mahnmal eingerichtet.

Historische Situation

Bezeichnung

Außenlager „Langenwerke AG“

Standort

Das Lager befand sich in Langensalza am Klausberg, Vor dem Westtor 1.

Unternehmen

Die ehemaligen Kammgarnwerke Langensalza GmbH wurden schrittweise in einen Rüstungsbetrieb umgewandelt, unter dem Namen „Langenwerke AG“ der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Dessau.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge mussten insbesondere in der Produktion von Tragflächen arbeiten.

Gegründet

21. Oktober 1944

Aufgelöst

nach 11. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.458

Schon seit März 1944 wurde bei der „Langenwerke AG“ neben der deutschen Belegschaft eine unbekannte Zahl Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit eingesetzt. Das KZ-Außenlager wurde am 21. Oktober 1944 mit zunächst 100 männlichen Häftlingen aus Buchenwald eingerichtet. Bis Ende Oktober stieg die Zahl auf 327, bis Januar 1945 auf 1.458 Häftlinge an. In der Folge sank die Belegung nicht mehr unter 1.200 Gefangene. Es handelte sich überwiegend um Polen, Sowjetbürger, Franzosen und Belgier sowie einzelne Deutsche. Das Lager diente auch als zentrales Straflager für entflohene und wiederergriffene Häftlinge, die unter anderem aus Neuengamme, Natzweiler, Dachau, Mauthausen, Flossenbürg und anderen Konzentrationslagern nach Langensalza überstellt und besonders streng bewacht wurden. Ein polnischer Häftling wurde laut Augenzeugenberichten von einem SS-Mann erschossen. Insgesamt kamen mindestens 22 Häftlinge vor Ort ums Leben. Viele weitere wurden als „arbeitsunfähig“ zurück nach Buchenwald überstellt, teilweise wurde die Rücküberstellung auch als Strafmaßnahme nach angeblichen Vergehen angewiesen.
Vom 1. bis 3. April 1945 mussten 1.177 verbliebene Häftlinge aus dem Außenlager Langensalza über Bad Tennstedt, Straussfurt, Sömmerda, Schlossvippach und Hottelstedt in das Hauptlager Buchenwald marschieren, nur eine geringe Anzahl blieb im Außenlager zurück. In den Bestandslisten aus Buchenwald taucht es letztmalig am 11. April 1945 mit 59 Häftlingen auf.

Unterbringung

Etwa 200 Häftlinge waren vor Ort auf dem Werksgelände untergebracht, die anderen in einem Barackenlager in unmittelbarer Nähe.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Das ehemalige Lagergelände ist heute eine Kleingartenanlage. 1966 wurde vor Ort (Eingang Fabrikstraße) ein Mahnmal zum Gedenken an 22 umgekommene Häftlinge errichtet. 1984 wurde eine Todesmarschstele an der Ecke Feldstraße / Friedrich-Hahn-Straße eingeweiht.

Kontakt vor Ort

Stadtverwaltung Bad Langensalza, Stadtarchiv Marktstraße 1 99947 Bad Langensalza

Telefon: 03603 859320 E-Mail: stadtarchiv@bad-langensalza.thueringen.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Baranowski, Frank: Rüstungsproduktion in Mitteldeutschland, Duderstadt 2006.

Baranowski, Frank: Langensalza, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 484ff.

Andere Quellen

In einer Broschüre zu einer Ausstellung zum Thema, die 2008 vom Kulturverein „Stadtmauerturm“ e.V. herausgegeben wurde, findet sich eine Zusammenfassung weiterer Informationen.