Witten-Annen

Im September 1944 verlegte die SS erstmals 700 Häftlinge aus Buchenwald nach Witten-Annen, die meisten waren politische Häftlinge und Kriegsgefangene. Sie wurden im Annener Gußstahlwerk zur Zwangsarbeit eingesetzt. Es kam häufig zu Misshandlungen, mindestens 30 Männer kamen im Außenlager ums Leben. Die verbliebenen Häftlinge wurden im März 1945 auf einen Todesmarsch getrieben und später von US-Truppen befreit. Nach 1990 wurde vor Ort ein Bodendenkmal mit einer Gedenktafel eingerichtet.

Historische Situation

Bezeichnung

keine Informationen

Standort

Das Lager befand sich im Wittener Stadtteil Annen, an der Reichsbahnstrecke Witten-Dortmund, inmitten des bewohnten Stadtgebiets.

Unternehmen

Annener Gußstahlwerk (AGW)

Zwangsarbeit

Die Häftlinge wurden in 12-Stunden-Schichten für den Betrieb der Drehherdöfen, Bohr- und Fräsarbeiten sowie Transportarbeiten eingesetzt. Aus Sicht der SS unzureichende Arbeitsleistungen wurden durch Prügel und andere Strafmaßnahmen geahndet.

Gegründet

16. September 1944

Aufgelöst

29. März 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

700

Der erste Transport im September 1944 bestand aus 700 Häftlingen aus Buchenwald, die meisten davon gelernte Industriearbeiter. Es handelte sich um 248 Sowjetbürger, 226 Franzosen, 71 Polen, 63 Tschechen, 46 Italiener, 43 Deutsche und 13 Belgier. Ein Fünftel von ihnen war unter 20 Jahre alt, der jüngste war ein 16-jähriger Franzose. Überwiegend waren es politische Häftlinge bzw. Kriegsgefangene. Als Lagerältesten setzte die SS einen als „Berufsverbrecher“ kategorisierten Deutschen ein, der durch sein brutales Auftreten gegenüber seinen Mitgefangenen auffiel.
Es kam häufig zu Misshandlungen durch die SS-Wachmannschaft, durch einzelne „Funktionshäftlinge“ sowie durch zivile Vorarbeiter. Mindestens 30 Männer kamen im Außenlager ums Leben, viele weitere wurden schwer krank und entkräftet nach Buchenwald zurück deportiert und durch neue Häftlinge ersetzt. Mehrere Häftlinge überlebten bereits den Transport zum Stammlager nicht. Zahlreiche Fluchtversuche trugen zusätzlich dazu bei, dass die Zahl der Häftlinge auf etwa 600 absank. Diese wurden am 29. März 1945 auf einen Todesmarsch getrieben und am 31. März in Lippstadt von amerikanischen Truppen befreit.

Unterbringung

Das Barackenlager am „Spiekermannschen Platz“ bestand aus vier Unterkunftsbaracken, einem Krankenrevier, einer Sanitärbaracke sowie einem Appellplatz. Trotz der Umzäunung mit Stacheldraht war es von außen teilweise einsehbar. Beim täglichen Fußmarsch zur Fabrik und zurück wurden die Häftlinge gelegentlich von Hitlerjungen mit Steinen beworfen.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Auf dem ehemaligen Lagergelände in der heutigen Immermannstraße wurden Reihenhäuser erbaut. Durch zivilgesellschaftliches Engagement wurden 1990 archäologische Untersuchungen durchgeführt und anschließend ein Bodendenkmal mit einer Gedenktafel eingerichtet. Seit 2013 gibt es vor Ort zudem ein Mahnmal und weitere Hinweistafeln.

Kontakt vor Ort

Kulturforum Witten, Stadtarchiv Bergerstraße 25 58452 Witten

E-Mail: stadtarchiv@stadt-witten.de Internet: www.kulturforum-witten.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Grieger, Manfred / Völkel, Klaus: Das Außenlager „Annener Gußstahlwerk“ (AGW) des Konzentrationslagers Buchenwald, September 1944 - April 1945, Essen 1997.

Grieger, Manfred: Das Außenlager „AGW“. KZ-Häftlinge im „Annener Gußstahlwerk“ in Witten, in: Schulte, Jan Erik (Hrsg.): Konzentrationslager im Rheinland und in Westfalen 1933-1945. Zentrale Steuerung und regionale Initiative, Paderborn 2005, S. 205-214.

Grieger, Manfred: Witten-Annen, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 613-618.