Berlstedt

Ab Mai 1938 mussten täglich Häftlinge aus dem KZ Buchenwald nach Berlstedt marschieren, um dort ein Klinkerwerk der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH aufzubauen. Ab Februar 1939 waren bis zu 250 Häftlinge dauerhaft in Holzbaracken auf dem Werksgelände untergebracht. Mindestens zwei Häftlinge kamen ums Leben. Vor Ort befindet sich heute eine kleine Gedenkanlage.

Historische Situation

Bezeichnung

Außenlager Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH (DESt), Berlstedt/Thüringen

Standort

Das Lager befand sich am westlichen Ortsrand von Berlstedt, der Eingang lag an der Straße, die in östlicher Richtung nach Weimar und in westlicher Richtung nach Erfurt führt (heute „Hauptstraße“, auf dem Lagerbauplan von 1940/41 „Chaussee“). Die heutige Adresse lautet Hauptstraße 26, 99439 Berlstedt.

Unternehmen

Die Zwangsarbeit erfolgte für die Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DESt), einem der bedeutendsten wirtschaftlichen Unternehmen der SS, das wiederum der Hauptabteilung Großziegelwerke des WVHA unterstellt war („Der Reichsführer SS, Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft, Amt WI, Berlin W50, Geisbergstr. 21, Dienststelle Berlstedt bei Weimar“).

Zwangsarbeit

Errichtung und Betrieb eines Klinkerwerks der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH, u.a. einer Ziegelei. Benötigt wurden die Ziegel für die unter anderem in Weimar geplanten nationalsozialistischen Großbauten. Wegen der harten Arbeits- und Lebensbedingungen in der Ziegelei galt das Außenlager zeitweise als Strafkommando. Neben den KZ-Häftlingen waren auch einige zivile Arbeiter in dem Werk beschäftigt.

Gegründet

Mai 1938

Aufgelöst

4. April 1945

Das Lager bestand ab Mai 1938 in Form eines Kommandos von Häftlingen aus dem KZ Buchenwald, die für den Aufbau des Klinkerwerks und der Baracken täglich nach Berlstedt marschieren mussten. Ab Februar 1939 wurden Häftlinge dauerhaft in Berlstedt untergebracht.

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

250

Das Kommando zum Aufbau des Lagers bestand aus einer kleinen Zahl von Häftlingen. Mit Beginn der Ziegelproduktion stieg die Zahl rasch an. Die Durchschnittsbelegung lag fortan bei etwa 200 Häftlingen, die überwiegend aus Belgien, Deutschland, Frankreich und Russland stammten. Am 9. Oktober 1941 waren es 250, am 31. Januar 1945 noch 196 Häftlinge.
Wegen der harten Arbeits- und Lebensbedingungen in der mit Häftlingen betriebenen Ziegelei galt das Außenlager zeitweise als Strafkommando. Ab Sommer 1942 mussten die Häftlinge täglich mehr als elf Stunden und am Sonntag fünf Stunden Zwangsarbeit leisten. Mindestens zwei Häftlinge kamen ums Leben. Die Rückführung der verbliebenen Häftlinge dieses Außenlagers in das KZ Buchenwald am 4. April 1945 ist nicht als Todesmarsch überliefert.

Unterbringung

Bis Ende Februar 1939 mussten die Häftlinge täglich vom KZ Buchenwald zum Werk marschieren. Ab Anfang März wurden sie in Baracken auf dem Lagergelände untergebracht, die mit Doppelstockbetten und Gittern vor den Fenstern ausgestattet waren. Ab März 1939 waren die Häftlinge zuerst in einer, dann aber mit Erreichen der Belegungszahl von über 200 in zwei großen Holzbaracken untergebracht.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Alle festen Gebäude des ehemaligen Außenlagers (das Ziegelwerk mit Nebengebäuden, ebenso die Wachbaracke am Eingang) sind erhalten und werden heute gewerblich genutzt. Die Ausdehnung und Fläche des ehemaligen Lagers lässt sich gut nachvollziehen, da die Wegeführung auch in Beziehung zum Dorf unverändert geblieben ist, keine Überbauung der früheren Eingrenzung erfolgte und außerdem Reste der Einzäunung an der Süd- und der Ostseite des Geländes erhalten sind. Auf dem Gärtnerei-Gelände des ehemaligen Lagers (heute Gelände der Grundschule Berlstedt) steht in Sichtweite zur Hauptstraße noch aus DDR-Zeiten eine kleine Gedenkanlage mit einem Original-Pfosten des Lagerzaunes, einem Naturstein mit der Aufschrift „Nie vergessen“ und zwei Säulen-Wacholdern. Eine Gedenktafel, die ursprünglich in Augenhöhe an dem Lagerzaunpfosten befestigt war und die Aufschrift trug „An dieser Stelle befand sich ein Außenlager des KZ Buchenwald“, ist seit einigen Jahren nicht mehr auffindbar. Um wieder eine würdige Form des Gedenkens an das ehemalige Außenlager zu finden, sollen z. B. die Grund- und Regelschule, die Gemeindevertretung und die auf dem Gelände ansässigen Firmen viel stärker als bisher in die Aufarbeitung dieses Teils der Ortsgeschichte einbezogen werden mit dem Ziel, eine gemeinsame Konzeption zu erarbeiten und umzusetzen.

Kontakt vor Ort

Ortschronisten-Gruppe Berlstedt Heidi Bube, Bernd Grüttner, Christel Söllner

E-Mail: ortschronik-berlstedt@web.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
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Markt 10, 99423 Weimar

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Literatur

Kaienburg, Hermann: Die Wirtschaft der SS, Berlin 2003.

Striebe, Andreas / Striebe, Kerstin: Die Außenkommandos des ehemaligen KZ Buchenwald auf dem Territorium des heutigen Stadt- und Landkreises Weimar, Diplomarbeit, Martin-Luther-Universität, Halle/S. 1988.

Wussow, Christian: Berlstedt, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 388-392.