Bernburg-Leau

Im Außenlager Bernburg mussten ab April 1944 bis zu 2.000 Häftlinge, vor allem Polen und Franzosen, die Produktion von Flugzeugen in stillgelegten Steinsalzschächten im Ortsteil Plömnitz vorbereiten. Untergebracht waren sie zeitweise unter schlimmsten hygienischen Bedingungen unter Tage sowie in Baracken im Ortsteil Leau. Mindestens 667 von ihnen starben. Im Februar 1945 verlegte die SS zusätzlich 180 ungarische Jüdinnen nach Bernburg. Im April 1945 wurden die Gefangenen auf einen Todesmarsch getrieben und nach drei Tagen von Truppen der US-Armee befreit.

Historische Situation

Bezeichnung

Neben der Bezeichnung „Lager Leau“ findet sich auch „Männeraußenlager OT-Bauleitung Bernburg, Baustab Schlempp“ sowie die Tarnbezeichnung „Leopard“.

Standort

Die Arbeitsstätten befanden sich in der Nähe von Bernburg-Plömnitz, in mehreren stillgelegten Schächten der Allgemeinen Solvay-Werke Bernburg.

Unternehmen

Auftraggeber waren die Junkers Flugzeugwerke (Zweigwerk Bernburg) sowie als Verantwortliche für die Durchführung des Bauvorhabens das Ingeneurbüro Schlempp.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge mussten, bewacht von der SS, in mehreren ehemaligen Steinsalzschächten in Plömnitz und Peißen schwere Beton- und Transportarbeiten ausführen. Dorthin sollte für das Junkers-Zweigwerk Bernburg die Produktion des „Volksjägers“ He 162 verlegt werden.

Gegründet

April 1944

Aufgelöst

12. April 1945

Der erste Nachweis der Ankunft von KZ-Häftlingen aus Buchenwald zur Einrichtung des Lagers stammt aus dem April 1944. Der erste größere Transport mit hunderten Häftlingen erreichte Bernburg am 21. oder 22. August 1944.

Häftlinge

Gemischtes Lager

Maximale Anzahl der Häftlinge

2.000

Insgesamt mussten im Lager „Leopard“ mindestens 2.000 männliche KZ-Häftlinge, Kriegs- und Strafgefangene sowie Zivilarbeiter aller Nationalitäten (vor allem Polen und Franzosen) schwere Zwangsarbeit verrichten. Bis 12. April 1945 starben mindestens 667 (nach anderen Quellen mindestens 435) Häftlinge an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen oder wurden von SS-Männern erschlagen, nachdem sie in den Schächten entkräftet zusammengebrochen waren. Die meisten Toten wurden auf dem Friedhof Leau, später bei Preußlitz in Massengräbern verscharrt. Nach 1945 wurden sie exhumiert und am sowjetischen Ehrenmal in Bernburg beigesetzt.
Da Ersatz für die umgekommenen männlichen Häftlinge kaum noch verfügbar war, forderte das Ingeneurbüro Schlempp Anfang 1945 weibliche Arbeitskräfte an. Am 21. Februar 1945 verlegte die SS daher 180 ungarische Jüdinnen aus dem Außenlager Leipzig-Schönau nach Bernburg. Ob es in diesem Zuge zur Einrichtung eines separaten Frauenlagers kam, ist unklar. Die Frauen waren im August 1944 aus dem KZ Stutthof nach Leipzig gebracht worden und hatten dort bereits sechs Monate Zwangsarbeit leisten müssen, weshalb viele von ihnen von Anfang an völlig entkräftet und ausgezehrt waren.
Das Außenlager wurde am 12. April 1945 aufgelöst und die Männer und Frauen auf einen Todesmarsch getrieben. Eine unbekannte Anzahl Häftlinge kam auf dem Marsch ums Leben, einige von ihnen sind auf dem Friedhof in Weißandt-Gölzau bestattet. Die Übrigen wurden drei Tage später bei Hinsdorf von Truppen der US-Armee befreit.

Unterbringung

Bei mangelhafter Ernährung sowie schlimmsten hygienischen Bedingungen arbeiteten und schliefen hunderte Häftlinge wochenlang ohne Tageslicht und Frischluft im Schacht, weil es zunächst keine Baracken gab. Weitere Häftlinge waren über Tage in einem großen Zelt zusammengepfercht. Erst im September 1944 bezogen die Häftlinge aus dem Zelt Baracken am Ortsrand von Leau, am 22. Dezember 1944 auch die restlichen Häftlinge, die bis dahin unter Tage lebten. Täglich legten sie zu Fuß den zwei Kilometer langen Weg zwischen Lager und Grube zurück.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Einige ehemalige Baracken, die massiv aus Ziegelbausteinen errichtet wurden, stehen noch heute und sind zu Einfamilienhäusern umgebaut worden. Die Schächte wurden in den 1970er Jahren geflutet. Auf dem Friedhof in Leau gibt es einen zu DDR-Zeiten errichteten Gedenkstein („Sowjetisches Ehrenmal“) für die Opfer des Außenlagers.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

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Literatur

Erbring, Wolfgang: Und um uns die dunkle Nacht, 2. Auflage, Baalberge 2011.

Seidel, Irmgard: Bernburg/Plömnitz („Leopard“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 392f.

Schuster, Michael: Schacht Plömnitz – Dunkle Schatten auf weißem Salz, Baalberge 2012.

Wussow, Christian: Plömnitz („Leopard“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 546-549.