Blankenburg-Oesig

Im Außenlager „Klosterwerke“ in Blankenburg mussten ab August 1944 etwa 500 männliche Häftlinge Zwangsarbeit leisten, die meisten davon Belgier. Das wichtigste Bauprojekt „Porphyr“ beinhaltete die Verlegung von Produktionsstätten des Krupp-Konzerns unter Tage. Ab Ende Oktober 1944 wurde das Lager dem KZ Mittelbau unterstellt. Schätzungen gehen von insgesamt 30 bis 50 Toten aus. 1990 wurde vor Ort ein Gedenkstein gesetzt.

Historische Situation

Bezeichnung

„Männeraußenlager Baustab für die Klosterwerke GmbH, Blankenburg/Harz“, teilweise auch kurz „Klosterwerke“ oder Untertageverlagerungsprojekt „Porphyr“.

Standort

Der Standort des Lagers befand sich in der Blankenburger Gemarkung Oesig.

Unternehmen

Die Einrichtung der unterirdischen Rüstungsfabrik „Klosterwerke“ erfolgte für den Krupp-Konzern. Die Häftlinge waren darüber hinaus für weitere Firmen tätig, unter anderem C. Weiss Hoch- und Tiefbau, Schreyber, Reininghausen.

Zwangsarbeit

Zwangsarbeit für die Organisation Todt, u.a. beim Stollenbau zur Untertageverlegung für die Krupp-Werke Hamburg.

Gegründet

25. August 1944

Aufgelöst

6. April 1945

Ab 28. Oktober 1944 wurde das Lager dem KZ Mittelbau unterstellt.

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

500

Ab Ende August 1944 arbeiteten 500 überwiegend belgische Häftlinge auf den Baustellen des Untertageverlagerungsprojektes „Porphyr“. Ab 28. Oktober 1944 wurde das Lager als Außenkommando des KZ Mittelbau weitergeführt. Am 1. November 1944 zählte das Lager 499 Häftlinge, unter ihnen 355 Belgier. Es handelte sich nun um das Außenlager im Rahmen der neuen Unterstellung, in dem die Belgier anteilmäßig die größte Gruppe bildeten. Die genaue Anzahl der Toten ist nicht bekannt, Schätzungen gehen von 30 bis 50 Toten bis zur Auflösung des Lagers aus.

Unterbringung

Die Häftlinge waren zunächst in Zelten, ab Oktober 1944 in sechs leicht gebauten Wohnbaracken untergebracht. Diese befanden sich in einer nicht einsehbaren Senke, einer Fundamentgrube für ein geplantes Hochofenwerk.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Ein Mahnmal für umgebettete Tote wurde bereits am 30. Mai 1945 auf dem alten Friedhof von Blankenburg eingeweiht. Am Zugang zum ehemaligen Lagergelände wurde 1990 ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Toten des Außenlagers gesetzt. Das Museum „Kleines Schloss“ in Blankenburg besitzt einen Betonstein mit der Häftlingsnummer von Narzis Dufrang, einem der belgischen Häftlinge des Außenlagers. Ein Kassiber auf dem Fetzen eines Zementsackes mit der Bitte um geweihte Hostien befindet sich im Katholischen Gemeindearchiv in Blankenburg (Harz). Das denkmalgeschützte Stollensystem, das einige Jahre als historischer Gedenkort zugänglich war, soll verfüllt werden. Die Durchführung dieser Maßnahme würde die Zerstörung dieses historischen Ortes bedeuten. Der VVN-BdA Sachsen Anhalt, die FIR und der Präsident des Internationalen Buchenwaldkomitees haben dagegen Einspruch eingelegt: „Wir bedauern dass dieses Projekt ohne wirkliche Rücksprache mit den Institutionen und Verbänden entwickelt wurde, welche die Aufrechterhaltung und Erhaltung dieses Ortes der Erinnerung an die Barbarei der Nazis gewährleisten.“ Der in der Region ehrenamtlich tätige „Bergverein Hüttenrode“, in dem auch Bergleute und Bergbauingenieure organisiert sind, setzt sich für die Erhaltung von 150 Metern des Stollensystems ein. Im Spätherbst 2021 wurde eine Straße in Blankenburg nach dem ehemaligen Häftling Albert van Hoey benannt. Geplant ist zudem die Anbringung zweier Informationstafeln, die über das Außenlager sowie das Untertageverlagerungsprojekt Auskunft geben.

Kontakt vor Ort

Museum Kleines Schloß 38889 Blankenburg

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

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Literatur

Bornemann, Manfred / Broszat, Martin: Das KL Dora-Mittelbau; in: Studien zur Geschichte der Konzentrationslager, Stuttgart 1970, S. 165f.

Hoch, Gerhard: Von Auschwitz nach Holstein. Der Leidensweg der 1200 jüdischen Häftlinge von Fürstengrube, Hamburg 1990, S. 83ff.

Andere Quellen

Weitere Informationen finden sich auf der Webseite der Gedenkstätte Mittelbau-Dora: https://aussenlager.dora.de/l/de/detail/4