Düsseldorf (Kalkum)

In Düsseldorf-Friedrichstadt befanden sich zwei organisatorisch eng verknüpfte Männeraußenlager, die beide in der Elisabeth-Charlotten-Schule in Friedrichstadt untergebracht waren. Eines davon wurde im Mai 1943 eingerichtet und bestand aus bis zu 170 Häftlingen, die tagsüber in Kalkum zur Bombenräumung und Bombenentschärfung eingesetzt wurden. Mindestens sieben KZ-Häftlinge kamen dabei ums Leben.

Historische Situation

Bezeichnung

„Männeraußenlager Kalkum, Düsseldorf-Friedrichstadt (Bau III)“, zunächst Teil der „III. SS-Baubrigade“.

Standort

Die Gefangenen wurden täglich nach Kalkum gefahren, eine Ortschaft im Amt Ratingen-Land (Kalkum wurde 1975 nach Düsseldorf eingemeindet). Das Sprengkommando, in dem sie tagsüber arbeiten mussten, hatte seinen Sitz am Kalkumer Bahnhof. Nachts waren die Häftlinge in der Elisabeth-Charlotten-Schule in Düsseldorf-Friedrichstadt untergebracht. Dort befindet sich heute eine Berufsschule (Elisabeth-Charlotten-Schule, Kirchfeldstraße 74-80, Düsseldorf-Friedrichstadt).

Zwangsarbeit

Die Häftlinge wurden zur Bombenräumung und Bombenentschärfung eingesetzt. Zu dem Sprengkommando gehörten neben den KZ-Häftlingen auch Zuchthausinsassen - die meisten davon politische Gegner des Nationalsozialismus - sowie speziell ausgebildete Luftwaffensoldaten. Während die Häftlinge die Bomben suchen und bergen mussten, oblag den Feuerwerkern das Entschärfen der Blindgänger.

Gegründet

28. Mai 1943

Aufgelöst

10. April 1945

Am 17. Mai 1944 wurde das Sprengkommando aus der III. SS-Baubrigade ausgegliedert und direkt dem KZ Buchenwald als Außenlager unterstellt. Es wurde als letztes der Düsseldorfer Außenlager aufgelöst, zwischen dem 13. März und dem 10. April 1945.

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

170

Am 28. Mai 1943 wurde das Lager mit 50 Häftlingen der III. SS-Baubrigade aus Köln eingerichtet. Im Sommer 1944 kamen 120 Häftlinge aus dem Außenlager Duisburg hinzu, damit befanden sich 170 Häftlinge vor Ort. Es handelte sich um Polen, Russen, Belgier, Holländer und Deutsche. Mindestens sieben KZ-Häftlinge kamen nachweislich im Kalkumer Sprengkommando ums Leben. Die tatsächliche Anzahl der Todesopfer dürfte noch deutlich höher liegen. Zwischen dem 13. März und dem 10. April 1945 wurden die KZ-Häftlinge gemeinsam mit den Gefangenen aus dem Außenlager Düsseldorf (DESt) nach Buchenwald zurück verlegt.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

In Düsseldorf besteht seit 1987 eine Mahn- und Gedenkstätte, die allen Düsseldorfer Opfern des Nationalsozialismus gewidmet ist. Gemeinsam mit mehreren Düsseldorfer Schulen führte die Mahn- und Gedenkstätte 2017 das Projekt „Erinnerungszeichen KZ-Außenlager“ durch. Dabei übernahmen fünf Schulen aus der Nähe der historischen Standorte die Aufarbeitung je eines Lagers. Die Ergebnisse wurden auf einer Website veröffentlicht (www.kz-aussenlager-duesseldorf.de). Zudem entstanden während des Projekts einheitlich gestaltete Erinnerungszeichen, ein aus Kettengliedern bestehendes Tor mit einer ausgeschnittenen Häftlingsfigur, die an den ehemaligen Standorten der fünf Düsseldorfer Außenlager installiert wurden.

Kontakt vor Ort

Mahn-und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf Mühlenstraße 29 40213 Düsseldorf

Telefon: 0211 8996205 E-Mail: gedenkstaette@duesseldorf.de Internet: www.duesseldorf.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Bitte addieren Sie 1 und 7.

Literatur

Henkel, Peter: Die Düsseldorfer KZ-Außenlager. Der Einsatz von KZ-Häftlingen in Düsseldorf zwischen 1942 und 1945. Kleine Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Düsseldorf 2016.

Kussmann, Andreas: KZ-Außenkommandos und Gefangenenlager in Düsseldorf während des Zweiten Weltkriegs. Ein Forschungsbericht, in: Düsseldorfer Jahrbuch 61 (1988), S. 175-193.

Kussmann, Andreas: Lager und Haftstätten in Düsseldorf in der Zeit des Dritten Reiches, in: Augenblick. Zeitschrift der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Nr. 3, Düsseldorf 1992, S. 5-8.

Leissa, Rafael R.: Düsseldorf-Friedrichstadt (Kalkum), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 429f.