Gelsenkirchen

Anfang Juli 1944 richtete die SS bei der Gelsenberg Benzin AG ein Außenlager ein. Zur Zwangsarbeit wurden 2.000 ungarische Jüdinnen aus dem KZ Auschwitz nach Gelsenkirchen-Horst gebracht. Im September 1944 wurde das Lager bei einem Luftangriff getroffen, mindestens 138 Frauen wurden getötet. In der Folge verlegte die SS die überlebenden Häftlinge in das Außenlager Sömmerda. An die Opfer erinnert heute ein Mahnmal auf dem örtlichen Friedhof.

Historische Situation

Bezeichnung

Frauenaußenlager Gelsenberg-Benzin AG, Gelsenkirchen

Standort

Das Lager befand sich in Gelsenkirchen-Horst, auf freier Fläche östlich des Hydrierwerks der Gelsenberg Benzin AG, umzäunt mit Stacheldraht.

Unternehmen

Die Zwangsarbeit erfolgte für die Gelsenberg Benzin AG, Hauptauftraggeber war das Wirtschaftsverwaltungshauptamt der SS (Organisation Todt).

Zwangsarbeit

Die Frauen mussten etwa zwölf Stunden täglich Zwangsarbeit leisten. Sie wurden unter anderem für Aufräumarbeiten im Werk Gelsenberg eingesetzt, aber auch beim Entladen von Schiffen im Kanalhafen.

Gegründet

4. Juli 1944

Aufgelöst

September 1944

Häftlinge

Frauenlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

2.000

Bei den Häftlingen handelte es sich um 2.000 jüdische Mädchen und Frauen aus Sighet (1940-1944 zu Ungarn gehörend, heute Sighetu Marmației in Rumänien) und Umgebung, die aus Auschwitz nach Gelsenkirchen verlegt wurden. Am 24. August 1944 wurden 520 Frauen in das KZ-Außenlager Humboldtstraße (Firma Krupp) in Essen gebracht, gegen Kriegsende wurden diese Frauen in das KZ Bergen-Belsen deportiert.
Bis August 1944 starben mindestens zwei Frauen im Außenlager Gelsenkirchen-Horst, vermutlich an Typhus. Acht weitere Frauen wurden nach Auschwitz deportiert, nachdem bei ihnen eine Schwangerschaft festgestellt worden war. Am 11. September 1944 wurden etwa 150 Frauen bei einem Luftangriff getötet (138 Frauen starben unmittelbar beim Angriff, eine unbekannte Anzahl weiterer in der Folge an erlittenen Verletzungen). Am 16. September 1944 wurden 1.216 überlebende Zwangsarbeiterinnen in das KZ-Außenlager Sömmerda zur Arbeit bei der Rheinmetall Börsig AG gebracht. Bis Ende Januar 1945 wurden weitere Frauen, die bei dem Luftangriff schwer verletzt und danach in Krankenhäusern behandelt worden waren, nach Sömmerda verlegt.
Ende März bis April 1945 trieb die SS die überlebenden Frauen in Sömmerda auf einen Todesmarsch. 17 Frauen verblieben bis Ende des Krieges im Marienhospital in Gelsenkirchen-Rotthausen und wurden dort befreit, sieben weitere Frauen erlebten dasselbe im Krankenhaus Bottrop.

Unterbringung

Die Frauen waren in Zelten untergebracht, die von einem Stacheldrahtzaun und Wachtürmen umgeben waren.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Auf Initiative der Jüdischen Kultusgemeinde wurde 1948 unweit des Lagergeländes ein Mahnmal in Erinnerung an die jüdischen Zwangsarbeiterinnen eingerichtet, die bei dem Luftangriff am 11. September 1944 getötet wurden. Anfang der 1950er Jahre wurde der Gedenkstein an den Südrand des Friedhofs Horst-Süd verlegt. Seit 2003 befindet sich dort auch eine Informationstafel mit 140 Namen und Daten von getöteten Jüdinnen.

Kontakt vor Ort

Institut für Stadtgeschichte Munscheidstraße 14 45886 Gelsenkirchen

Telefon: 0209 1698551 E-Mail: isg@gelsenkirchen.de Internet: www.institut-fuer-stadtgeschichte.de

Dokumente

Standort des Außenlagers Gelsenkirchen-Horst.
Standort des Außenlagers Gelsenkirchen-Horst.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
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Markt 10, 99423 Weimar

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Literatur

Bergmann, Martina / Stratmann Hartmut: Meine lieben 17 ungarischen Kinder… Von der Rettung jüdischer Frauen in Gelsenkirchener Krankenhäusern. Heft 3 der Reihe: Jüdisches Leben in Gelsenkirchen, hrsg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V., Gelsenkirchen 1996.

Gedenkstätte Buchenwald (Hrsg.): Konzentrationslager Buchenwald 1937-1945. Begleitband zur ständigen historischen Ausstellung, Göttingen 2007.

Goch, Stefan: Das Außenlager des KZ Buchenwald in Gelsenkirchen-Horst, in: Schulte, Jan Erik (Hrsg.): Konzentrationslager in Rheinland und in Westfalen 1933-1945. Zentrale Steuerung und regionale Initiative. Paderborn 2004, S. 271-278.

Goch, Stefan: Gelsenkirchen-Horst, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 445-448.

Goch, Stefan: Jüdisches Leben. Verfolgung – Mord – Überleben. Ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens erinnern sich (Schriften des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen, Materialien, Bd. 8), Essen 2004.

Herholz, Heike / Wiebringhaus, Sabine: KZ-Außenlager Buchenwald in Gelsenkirchen-Horst. Eine Dokumentation, in: Verein für Orts- und Heimatkunde Gelsenkirchen-Buer (Hrsg.): Beiträge zur Stadtgeschichte, Bd. XI, 1983, S. 121-142.

Mrotzek, Marlies: Das KZ-Außenlager der Gelsenberg Benzin AG, Fernwald 2002.

Schlenker, Roland: „Ihre Arbeitskraft ist auf das schärfste anzuspannen“. Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterlager in Gelsenkirchen 1940-1945 (Schriftenreihe des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen, Materialien, Bd. 6), Essen 2003.