Holzen

Unter dem Tarnnamen „Hecht“ richtete die SS im September 1944 in Holzen ein Außenlager des KZ Buchenwald ein. Die bis zu 1.103 Häftlinge mussten im Rahmen der Untertageverlagerung unter anderem für Volkswagen Zwangsarbeit leisten. Mindestens 34 Männer kamen ums Leben. Nach der Auflösung des Lagers im März 1945 starben viele Häftlinge bei Todesmärschen, Bombenangriffen oder wurden bei der Celler „Hasenjagd“, einem Massaker bewaffneter Deutscher an KZ-Häftlingen, ermordet. Vor Ort gibt es heute unter anderem einen Ehrenfriedhof und eine Dauerausstellung.

Historische Situation

Bezeichnung

„Männeraußenlager OT-Bauleitung Holzen“, Tarnname „Hecht“, vom 4. März 1945 an Doppellager „Hecht“/„Stein“

Standort

Das Lager befand sich am nordöstlichen Ende des Dorfes Holzen.

Unternehmen

OT-Bauleitung „Hecht“, Deutsche Asphaltwerke AG, Volkswagen GmbH

Zwangsarbeit

Die Häftlinge wurden für Gleisbauarbeiten sowie im Rahmen der Untertageverlagerung von Produktionsstätten eingesetzt, unter anderem für die Volkswagen GmbH.

Gegründet

14. September 1944

Aufgelöst

31. März 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.103

Am 14. September 1944 trafen die ersten 250 Häftlinge ein. Bis Jahresende 1944 stieg die Belegungszahl auf über 500 Männer. Anfang März 1945 wurde das Lager organisatorisch zum Doppellager „Hecht“/„Stein“ umgewandelt, das letztere sollte der Untertageproduktion dienen. Hierfür wurden 600 weitere Häftlinge aus Buchenwald nach Holzen verlegt, sodass die Höchstbelegungszahl von 1.103 Häftlingen erreicht wurde.
Die Häftlinge kamen unter anderem aus der Sowjetunion, Frankreich, Jugoslawien, Polen, Italien, Ungarn, der Tschechoslowakei, Lettland, Litauen, Finnland, Belgien und Spanien. Die meisten Häftlinge waren Juden. Als „Funktionshäftlinge“ wurden zunächst Deutsche eingesetzt, die von der SS als „Berufsverbrecher“ kategorisiert worden waren, später hingegen überwiegend ausländische „politische“ Gefangene.
Drohungen, Prügel und sonstige Misshandlungen durch die SS gehörten zum Alltag der Häftlinge. Mindestens 34 Männer kamen in Holzen ums Leben, Schätzungen gehen jedoch eher von etwa 135 Todesopfern aus. Zahlreiche weitere Häftlinge wurden zum Stammlager Buchenwald zurück deportiert und durch neue ersetzt.
Am 31. März 1945 gingen zwei Räumungstransporte Richtung Buchenwald und Bergen-Belsen ab. Der erste mit 696 Häftlingen erreichte am 3. April 1945 das Hauptlager Buchenwald. Der andere geriet am 8. April 1945 in Celle in einen amerikanischen Bombenangriff, der viele Häftlinge tötete. Weitere fielen der Celler „Hasenjagd“, einem Massaker bewaffneter Deutscher an KZ-Häftlingen, zum Opfer. Die Überlebenden wurden noch bis nach Bergen-Belsen getrieben, wo sie am 15. April 1945 befreit wurden.

Unterbringung

Die Unterbringung erfolgte zunächst in einem umzäunten Zeltlager, später in vier von den Häftlingen errichteten Holzbaracken.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

51.93900018 9.67705607 SW Hüttenstraße, Holzen 09/2013 © Herbert Naumann
51.93900018 9.67705607 SW
Hüttenstraße, Holzen
09/2013 © Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Vom Außenlager Holzen ist außer dem Gebäude der ehemaligen Kommandantur, das heute als Wohnhaus genutzt wird, nichts erhalten. An das Lager erinnerte zunächst nur unweit des ehemaligen Lagergeländes der 1946 geschaffene Ehrenfriedhof, auf dem verstorbene KZ-Häftlinge ihre letzte Ruhestätte fanden. Im Dorfgemeinschaftshaus steht seit den 1990er Jahren ein Modell des Außenlagers und auch die Dorfchronik aus dem Jahr 2004 enthält ein Kapitel über die KZ-Häftlinge. Als regionales Erinnerungszeichen dient die am 13. September 2009 eröffnete Dauerausstellung „Zwangsarbeit für die Rüstung im Nationalsozialismus“ der „Erinnerungsstätte Lenner Lager“, die nach Anmeldung besichtigt werden kann.

Dokumente

Eine der Hinweistafeln in Holzen.
Eine der Hinweistafeln in Holzen.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

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Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
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Literatur

Bertram, Mijndert: Bombenhagel und „Hasenjagd“. Die Häftlingstransporte von Holzen nach Bergen-Belsen, in: Detlef Creydt (Hrsg.): Zwangsarbeit. Bd. 1: Für die Wunderwaffen in Südniedersachsen 1943-1945, Braunschweig 1993, S. 226-230.

Creydt, Detlef: Zwangsarbeit. Bd. 4: Für Industrie und Rüstung im Hils 1943-1945, Holzminden 2001.

Grieger, Manfred: Holzen bei Eschershausen („Hecht“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 462-467.

Mommsen, Hans / Grieger, Manfred: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, Düsseldorf 1996.