Köln (III. SS-Baubrigade)

Auf dem Messegelände in Köln-Deutz wurde im September 1942 das Basislager der III. SS-Baubrigade eingerichtet. Mit der Zeit wurden mehrere Nebenlager aufgebaut, in denen über 3.000 meist osteuropäische Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten, davon bis zu 1.310 in Köln. Mindestens 62 Häftlinge kamen in Köln ums Leben, hunderte wurden nach Buchenwald deportiert. Im Mai 1944 wurde das Kölner Außenlager nach Wieda im Harz verlegt. Heute erinnert unter anderem ein Mahnmal am Rhein an das Geschehene.

Historische Situation

Bezeichnung

„Männeraußenlager III. SS-Baubrigade, Köln-Deutz“

Standort

Das Lager befand sich in Köln-Deutz am Auenplatz (Messegebäude).

Unternehmen

Stadt Köln sowie Höherer SS- und Polizeiführer West

Zwangsarbeit

Das Lager auf dem Messegelände in Köln-Deutz diente als Basislager der III. SS-Baubrigade. Für die Stadt Köln mussten die Häftlinge vor allem Aufräumarbeiten, Trümmerbeseitigung und die Bergung von Leichen nach Bombenangriffen durchführen. Durch den Höheren SS- und Polizeiführer West wurden sie auch zur Blindgängerbeseitigung in „Bombensprengkommandos“ eingesetzt. Die Zwangsarbeit der sichtlich unterernährten und kranken Häftlinge erfolgte öffentlich im gesamten Stadtgebiet. Die Koordination des Arbeitseinsatzes oblag der Kölner Stadtverwaltung.

Gegründet

21. September 1942

Aufgelöst

10. Mai 1944

Das Kölner Lager bestand vom 21. September 1942 bis zum 10. Mai 1944, danach wurde das Kommando nach Wieda im Harz verlegt. Während des Bestehens wurden zahlreiche Nebenlager der III. SS-Baubrigade gegründet. Einige davon wurden nach der Verlegung nach Wieda als selbstständige Außenlager des KZ Buchenwald weiter betrieben: Bergisch Gladbach-Bensberg, Düsseldorf (Kalkum), Düsseldorf (Borsig), Düsseldorf (DESt) sowie Essen (Schwarze Poth). Informationen zu diesen Lagern finden sich in den jeweiligen Einträgen auf dieser Website.
Folgende Nebenlager wurden keine selbstständigen Außenlager, da sie vor oder mit der Verlegung nach Wieda aufgelöst wurden:
Bochum (Bombenräumkommando, von Juni 1943 bis Dezember 1943, 26 bis 40 Häftlinge)
Dortmund (Bombenräumkommando, von Mai 1943 bis August 1943, 34 bis 40 Häftlinge)
Düsseldorf (Bombenräumkommando Friedrichstadt, von Juni 1943 bis August 1943, 118 bis 120 Häftlinge)
Duisburg (Trümmerbeseitigung im Auftrag der Stadtverwaltung. Das Lager existierte seit Oktober 1942 als Außenlager des KZ Sachsenhausen, wurde am 21. Februar 1943 als Restkommando durch die III. SS-Baubrigade übernommen und war bis Mai 1944 dessen Nebenlager, 342 bis 1.018 Häftlinge)

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.310

Die III. SS-Baubrigade war ursprünglich mit bis zu 1.000 männlichen Häftlingen geplant. Der tatsächliche Höchststand wurde am 20. März 1944 mit insgesamt 3.075 Häftlingen erreicht. Davon waren 1.310 Häftlinge im Kölner Lager und weitere 1.765 Häftlinge in den Nebenlagern der III. SS-Baubrigade, unter anderem in Duisburg, Düsseldorf und Essen eingesetzt. Die Männer kamen überwiegend aus Osteuropa, vor allem aus der Sowjetunion und aus Polen. Insgesamt durchliefen von September 1942 bis Mai 1944 etwa 5.845 KZ-Häftlinge das Lager in Köln und die dazugehörigen Nebenlager. Im gleichen Zeitraum kamen mindestens 171 Häftlinge ums Leben, davon 62 im Kölner Lager. 16 wurden von der SS „auf der Flucht erschossen“. Zudem schickte die SS rund 460 als „nicht mehr arbeitsfähig“ geltende Häftlinge wieder zurück nach Buchenwald, von denen viele in der Folge im Stammlager starben.
Ab Sommer 1943 verbesserten sich die Bedingungen leicht, unter anderem da die ausländischen „zivilen“ Arbeiter, die in immer höherer Zahl in der Stadt eingesetzt wurden, den KZ-Häftlingen wo möglich halfen. Im Mai 1944 zog die SS die Baubrigade aus Köln ab und verlegte die Häftlinge nach Wieda im Harz, wo sie größtenteils auf Außenlager des neu entstehenden KZ Mittelbau verteilt wurden.

Unterbringung

Die Häftlinge waren in einer Halle („Kongresshalle“) im 1. Stock des Messegebäudes im Nordwesten untergebracht, in der Nähe des heute noch vorhandenen Messeturmes. Der umzäunte Vorplatz diente als Appellplatz.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

1986 wurde anlässlich des 6. Weltkongresses der Vereinigung „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“ am Messeturm eine kleine Erinnerungstafel angebracht. 1993 wurde ein von der Stadt Köln gestiftetes Mahnmal auf der Rheinseite eingeweiht, das an alle auf dem Messegelände befindlich gewesenen Lager und an die Messe als Deportationsort erinnert. Das Objekt mit ausführlicher Texttafel ersetzt eine kleine, 1981 von einer engagierten Einzelperson gestiftete Plakette, die ebenfalls am Messeturm befestigt war. Die historischen Fassaden sowie der Turm des 1928 zur Internationalen Ausstellung „Pressa“ umgebauten Messegebäudes sind erhalten, der Innenbereich wurde seit 2005 entkernt und umgebaut.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

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Literatur

Fings, Karola: Messelager Köln. Ein KZ-Außenlager im Zentrum der Stadt, Köln 1996.

Fings, Karola: Krieg, Gesellschaft und KZ. Himmlers SS-Baubrigaden, Paderborn u.a. 2005, S. 55-103.

Fings, Karola: Köln-Deutz (SS-Baubrigade III), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 475-478.

Andere Quellen

Interviews mit ehemaligen Häftlingen des Lagers und Fotografien zum Einsatz der Häftlinge befinden sich im Bestand des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln.