Leipzig-Thekla

Für die Erla-Maschinenwerke GmbH richtete die SS im März 1943 ein Männer-Außenlager ein. Es hatte drei Standorte: in Abtnaundorf, in Heiterblick und in Thekla. Die insgesamt etwa 1.800 Häftlinge mussten täglich zwölf Stunden in der Flugzeugproduktion arbeiten. Mehr als 100 Menschen kamen ums Leben. Im April 1945 trieb die SS die noch gehfähigen Gefangenen auf einen Todesmarsch quer durch Sachsen. An den zurückgelassenen Häftlingen verübten Angehörige der Gestapo, der SS und des Volkssturmes ein Massaker, bei dem mindestens 84 Menschen starben. Heute erinnert vor Ort ein Mahnmal an das Geschehene.

Historische Situation

Bezeichnung

„Außenlager Leipzig-Thekla“, „Männeraußenlager Erla-Maschinenwerke GmbH, Leipzig“, Tarnname „Emil“

Standort

Das Lager hatte drei Standorte: in Abtnaundorf (Theklaer Straße / Heiterblick-Straße), in Heiterblick (Werk III, Wodanstraße) und in Thekla (Werk I, Theklaer Straße / Sandgrube).

Unternehmen

Die Erla-Maschinenwerke GmbH war der größte Luftrüstungsbetrieb in Leipzig und seit 1934 im Leipziger Nordosten ansässig. Der Rüstungsbetrieb stellte für die Luftwaffe des Deutschen Reiches bis 1945 mehr als 11.000 Jagdflugzeuge des Typs Messerschmitt Bf 109 her. Ab 1941 beschäftigten die Erla-Werke in Leipzig ausländische zivile Zwangsarbeiter:innen, ab 1943 wurden auch KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt. Die Organisation sowie die Versorgung und Bewachung der Häftlinge oblag der SS.

Zwangsarbeit

Die KZ-Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit in der Flugzeugproduktion, sowie bei Bau- und Aufräumarbeiten außerhalb der Werksgelände eingesetzt.

Gegründet

6. März 1943

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.800

Das Lager wurde am 6. März 1943 mit zunächst 57 Häftlingen eingerichtet. Es hatte drei Standorte: in Abtnaundorf, in Heiterblick und in Thekla. Während des Jahres 1944 wurden insgesamt etwa 1.800 Häftlinge aus dem Hauptlager Buchenwald in das Außenlager Leipzig-Thekla überstellt. Unter ihnen waren Männer aus der Sowjetunion, Polen, Frankreich, Belgien und der Tschechoslowakei. Überwiegend handelte es sich um politische Häftlinge. Sie mussten in Tages- und Nachtschichten je zwölf Stunden ohne Ruhetag arbeiten. Geringe Essensrationen und fehlendes Schuhwerk erschwerten die Lebensbedingungen zusätzlich. Schwer kranke und arbeitsunfähige Häftlinge wurden nach Buchenwald zurückgeschickt und durch neue Arbeitskräfte ersetzt. Mehr als 100 Menschen starben in den Lagern an Unterernährung, Krankheiten und Misshandlungen. Weitere kamen bei alliierten Bombardements gegen die Rüstungsbetriebe ums Leben, da sie auf Befehl der SS keine Luftschutzeinrichtungen aufsuchen durften.
Am 17. Februar 1945 traf ein Transport mit etwa 600 Häftlingen aus dem Außenlager Gassen des KZ Groß-Rosen ein, von denen 37 in den folgenden Tagen starben. Ende März 1945 befanden sich noch 1.466 Häftlinge an den drei Standorten. Zwischen dem 9. und 11. April 1945 kamen vorübergehend 300 jüdische Frauen aus dem Buchenwalder KZ-Außenlager Hessisch-Lichtenau nach Leipzig-Thekla. Dafür wurde eine Baracke separat umzäunt und vom Männerlager getrennt.
Unter Zurücklassung von 320 kranken Häftlingen erfolgte am 13. April 1945 die Evakuierung in Richtung Tschechoslowakei. Etwa 1.500 Häftlinge wurden auf einen Todesmarsch getrieben, zu dem Tausende Männer und Frauen anderer Leipziger Konzentrationslager stießen. Der etwa 500 Kilometer lange Fußmarsch quer durch Sachsen kostete viele Häftlinge das Leben, doch einigen gelang die Flucht. Nur etwa 300 Menschen erlebten schließlich die Befreiung durch die Rote Armee bei Teplice (Tschechoslowakei).
Am 18. April 1945 verübten Angehörige der Leipziger Gestapo, der SS und des Volkssturmes in Abtnaundorf ein Massaker an den in Leipzig zurückgebliebenen Häftlingen. Zwölf SS-Männer sperrten die kranken Häftlinge in eine Baracke ein, übergossen diese mit Benzin und schossen sie mit Panzerfäusten und Maschinengewehren in Brand. Viele Häftlinge, die aus der brennenden Baracke fliehen konnten, wurden von den Tätern mit Maschinenpistolen getötet. Einigen Häftlingen gelang unter Ausnutzung des dichten Rauchs die Flucht zu den nahe gelegenen Lagern polnischer Zivilarbeiter:innen der HASAG, die sie aufnahmen und verbargen. Andere wurden in der unmittelbaren Umgebung von der Zivilbevölkerung erschossen oder erschlagen. Wie viele Menschen Opfer des Massakers wurden, konnte bis heute nicht festgestellt werden. Überlebt haben nachweislich 67 Personen. Die meisten Opfer bleiben bis heute vermisst. Die sterblichen Überreste von 84 Männern, die bei dem Brand ums Leben kamen, wurden am 27. April 1945 auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt.

Unterbringung

Die Häftlinge waren in Barackenlagern untergebracht, in Abtnaundorf und Heiterblick direkt bei den Produktionsstätten, in Thekla in einiger Entfernung zum Werk.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

51.37362386 12.43183762 NNW Zschopauer Straße, Leipzig 09/2013 © Herbert Naumann
51.37362386 12.43183762 NNW
Zschopauer Straße, Leipzig
09/2013 © Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Fast alle Täter des „Massakers von Abtnaundorf“ wurden bis 1947 durch US-amerikanische Behörden ermittelt und zur Fahndung ausgeschrieben. Dennoch wurden die Verfahren erst 1975 eingeleitet. Die Ermittlungen dauerten mit zeitlichen Unterbrechungen bis 1990 und wurden schließlich eingestellt. Nur SA-Oberscharführer Walter Wendt kam 1947 vor Gericht und wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde später in fünf Jahre Haft umgewandelt. Schon im Januar 1946 wurde an der Theklaer Straße provisorisch ein Denkmal errichtet, das an die Opfer des Massakers von Abtnaundorf erinnerte. 1957 wurde der Grundstein für das heutige Mahnmal gelegt, das sich etwas abseits des früheren KZ befindet. Die Gestaltung übernahm der Bad Lausicker Bildhauer Gustav Tschech-Löffler. Am 13. September 1958 wurde es feierlich eingeweiht und ist seitdem zentraler Schauplatz jährlicher Gedenkveranstaltungen an die Leipziger Opfer des Nationalsozialismus.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

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Förderverein Buchenwald
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Literatur

Knospe, Wolfgang: Leipzig-Thekla, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 502-506.

Andere Quellen

Rother, Karl-Heinz / Rother, Jelena: Die Erla-Werke und das Massaker von Abtnaundorf, Leipzig 2013. Erhältlich über den Bund der Antifaschisten e. V. Leipzig, Zschochersche Straße 21, 04229 Leipzig, Tel. 0341 4934731, bdaleipzig@web.de und in der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig.

Bericht der Untersuchungsgruppe der U.S. Armee für Kriegsverbrechen Nr. 6822 vom 1.5.1945, RG338, National Archives, USA.