Magdeburg-Rothensee

Im Außenlager „Magda“ der Braunkohle-Benzin AG in Magdeburg-Rothensee mussten ab Juni 1944 etwa 2.172 Häftlinge, überwiegend ungarische Juden, Zwangsarbeit leisten. Sie wurden hauptsächlich für den Bau von Luftschutzbunkern eingesetzt. Mindestens 566 Häftlinge kamen vor Ort ums Leben. Im Februar 1945 wurden die Häftlinge nach Buchenwald verlegt. Vor Ort erinnert heute eine Eisenguss-Skulptur an das Außenlager.

Historische Situation

Bezeichnung

„Männeraußenlager Braunkohle-Benzin AG (Brabag), Magdeburg“, Deckname „Magda“

Standort

Das Lager befand sich an der Heinrichsberger Straße, Ecke Havelstraße.

Unternehmen

Auftraggeber war die Braunkohle-Benzin AG (Brabag), die in mehreren Außenlagern (u.a. Tröglitz, Böhlen und Berga/Elster) in den Jahren 1944 und 1945 insgesamt über 13.000 KZ-Häftlinge für Bauarbeiten einsetzte.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge wurden für Bau- und Transportarbeiten in den Magdeburger Treibstoffwerken der Brabag eingesetzt, hauptsächlich für den Bau von Luftschutzbunkern.

Gegründet

17. Juni 1944

Aufgelöst

9. Februar 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

2.172

Das Lager wurde im Juni 1944 auf Initiative der Brabag mit 900 Häftlingen eingerichtet. Vom 17. Juni 1944 bis 9. Februar 1945 waren insgesamt 2.172 Häftlinge im Lager, fast ausschließlich ungarische Juden im Alter von 14 bis 65 Jahren, die die „Selektionen“ im Vernichtungslager Auschwitz überlebt hatten. Als „Funktionshäftlinge“ setzte die SS nichtjüdische Gefangene aus Deutschland, Tschechien, Polen, Frankreich und Belgien ein. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren selbst im Vergleich mit anderen KZ-Außenlagern hart. Zivile Vorarbeiter der Brabag trieben die Häftlinge pausenlos zur Zwangsarbeit an, hinzu kamen Misshandlungen und Hinrichtungen durch SS-Männer und Wehrmachtssoldaten.
Mindestens 566 Häftlinge kamen vor Ort ums Leben, die meisten davon Juden. Hunderte weitere wurden im Herbst 1944 aussortiert und zurück nach Buchenwald geschickt. Ein Rücktransport Ende September umfasste 525 Häftlinge, von denen in Buchenwald 388 Männer umgehend selektiert und zur Ermordung nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Über 400 weitere wurden Ende Dezember 1944 nach Bergen-Belsen überstellt, die meisten davon starben innerhalb kürzester Zeit. Am 9. Februar 1945, nach schweren Zerstörungen durch Bombenangriffe, wurde das Lager „Magda“ aufgelöst und die verbliebenen 465 Häftlinge nach Buchenwald verlegt.

Unterbringung

Das Lager bestand aus vier Holzbaracken, einem Zelt (für die Ruhrkranken) und einem Gebäude, in dem Küche und Krankenrevier untergebracht waren. Die Baracken waren nur durch einen Stacheldrahtzaun von der Umgebung getrennt und für die Magdeburger Bevölkerung einsehbar.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Das Brabag-Werk wurde 1946 demontiert, die überlebenden Häftlinge erhielten keine Entschädigung. Die Holzbaracken wurden nach Kriegsende von der deutschen Bevölkerung abgetragen, um an Baumaterial zu kommen. Die gemauerte SS-Baracke ließ das Kulturamt Magdeburg, im Wissen um die Geschichte des Ortes, Mitte der 1990er Jahre stillschweigend abreißen. Am 27. Januar 2001 wurde am Rand des ehemaligen Lagergeländes eine Eisenguss-Skulptur in Erinnerung an die Opfer enthüllt. An einem Gebäude an der Einfahrt zur Liegenschaft der Polizeiinspektion Zentrale Dienste Sachsen-Anhalt (PI ZD) am August-Bebel-Damm 19 in Magdeburg befindet sich zudem eine Gedenktafel. Sie kann von der Straßenseite bzw. vom Fußweg eingesehen werden.

Standort des Gedenkzeichens

Standort in Google Maps anzeigen

Kontakt vor Ort

Stadtarchiv Magdeburg Mittagstraße 16 39124 Magdeburg

Dokumente

Die Gedenktafel in Magdeburg-Rothensee (Foto: Polizeiinspektion Zentrale Dienste Sachsen-Anhalt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit).
Die Gedenktafel in Magdeburg-Rothensee (Foto: Polizeiinspektion Zentrale Dienste Sachsen-Anhalt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit).
Die Gedenktafel in Magdeburg-Rothensee (Foto: Polizeiinspektion Zentrale Dienste Sachsen-Anhalt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit).
Die Gedenktafel in Magdeburg-Rothensee (Foto: Polizeiinspektion Zentrale Dienste Sachsen-Anhalt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit).

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

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Förderverein Buchenwald
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Literatur

Begrich, Pascal: Das Frauen-KZ der Polte OHG in Magdeburg, in: Schmiechen-Ackermann, Detlef / Kaltenborn, Steffi (Hrsg.): Stadtgeschichte in der NS-Zeit. Fallstudien aus Sachsen-Anhalt und vergleichende Perspektiven, Münster 2005, S. 123 ff.

Bindernagel, Franka / Bütow, Tobias: Magdeburg-Rothensee, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 512-515.

Bütow, Tobias / Bindernagel, Franka: Ein KZ in der Nachbarschaft. Das Magdeburger Außenlager der Brabag und der „Freundeskreis Himmler“, Köln 2003.