Meuselwitz (Frauen)

Das Außenlager in Meuselwitz wurde im Oktober 1944 mit 1.800 Frauen aus dem KZ Ravensbrück eingerichtet. Auftraggeber war die Hugo Schneider AG. Bei einem Bombenangriff im November 1944 starben 39 Frauen. Im Anschluss mussten die Häftlinge die Stadt Meuselwitz von Trümmern befreien und Bombentrichter auffüllen. Insgesamt kamen vor Ort mindestens 49 Frauen ums Leben. Im April 1945 trieb die SS die Häftlinge auf einen Todesmarsch. Die Überlebenden wurden Anfang Mai in Tschechien befreit. Vor Ort sind heute mehrere Gedenksteine vorhanden.

Historische Situation

Bezeichnung

„Frauenaußenlager Hugo-Schneider AG (Hasag) Meuselwitz bei Altenburg/Thüringen“

Standort

Das Gelände lag zwischen der heutigen Weinbergstraße, Heinrich-Heine-Straße und Rudolf-Breitscheid-Straße. Die heutige Nordstraße wurde als Lagerstraße während der Erweiterung des Betriebes angelegt und führte quer durch das Gelände. Die offizielle Adresse im Jahr 1938 lautete Ringstraße 2.

Unternehmen

"Hugo Schneider Aktiengesellschaft“ (HASAG) mit Stammsitz in Leipzig

Zwangsarbeit

Das Lager war Bestandteil des Werkes Meuselwitz (Thüringen) der HASAG, in dem auch Meuselwitzer Bürger arbeiteten oder arbeiten mussten, weil sie von ihrem offiziellen Arbeitgeber dorthin abgestellt wurden. Die KZ-Häftlinge mussten in zwölfstündigen Tag- und Nachtschichten an Drehbänken und Schleifmaschinen arbeiten. Wer aus Sicht der SS zu langsam arbeitete, wurde mit Essensentzug, Prügeln oder Bunkerhaft bestraft.

Gegründet

5. Oktober 1944

Aufgelöst

12. April 1945

Häftlinge

Frauenlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.800

Das Lager wurde am 5. Oktober 1944 mit 1.800 Frauen aus dem KZ Ravensbrück eröffnet. 300 Frauen wurden nach einigen Tagen in das HASAG-Außenlager Taucha weiterverlegt. 85 Prozent der Häftlinge waren Polinnen, unter ihnen zahlreiche Widerstandskämpferinnen. Das jüngste Mädchen war bei der Ankunft in Meuselwitz zwölf Jahre alt. Hinzu kamen sowjetische Frauen, unter ihnen kriegsgefangene Soldatinnen, sowie einige politische Häftlinge aus Luxemburg, Litauen und Deutschland.
Beim ersten alliierten Bombenangriff auf Meuselwitz am 30. November 1944 starben 39 Häftlingsfrauen (nach anderen Quellen 38 Frauen) durch die Explosion eines Munitionsdepots. Im Anschluss an die Luftangriffe mussten die Häftlinge die stark zerstörte Stadt Meuselwitz von Trümmern befreien und Bombentrichter auffüllen. Insgesamt kamen vor Ort mindestens 49 Frauen ums Leben.
Der Todesmarsch begann am 12. April 1945 mit über 1.370 Frauen. Diese wurden zunächst in offenen Güterwaggons an die deutsche Grenze gebracht und von dort auf einen Fußmarsch in Richtung Komotau, Eger, Kadan und Boxgrün nach Tschechien getrieben. Zahlreiche erschöpfte Frauen wurden von SS-Männern, Aufseherinnen und Angehörigen der Hitler-Jugend erschossen oder starben bei Luftangriffen. Nach tagelangen zermürbenden Fußmärschen wurden die Überlebenden Anfang Mai von ihren Bewachern plötzlich verlassen und befanden sich damit in Freiheit.

Unterbringung

Die weiblichen Häftlinge waren in Baracken im Lager untergebracht.

Dokumente

Der Bau der HASAG ab 1938.
Der Bau der HASAG ab 1938: Links die Gebäude der in den 1920er Jahren bankrott gegangenen Porzellanfabrik „Hentschel & Müller“, die die HASAG gekauft hatte, im Hintergrund die Esse der Tonwarenfabrik Kölbel und die Silhouette des 1922 eingemeindeten Ortes Schnauderhainichen. Die heutige Nordstraße ist als Lagerstraße bereits erkennbar, rechts Abtragungen am Weinberg, wo später das Frauenlager errichtet wurde und das Barackenlager I auf dem Weinberg (Quelle: „Unsere Heimat Meuselwitz“. Heft des Meuselwitzer Heimat-, Umwelt- u. Naturschutzvereins e. V., 19. Jg., 2010).

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Das Barackenlager wurde bis in die 1990er Jahre als Wohnsiedlung genutzt und 2010 abgerissen. Vor Ort sind heute zwei Gedenksteine sowie eine Säule am ehemaligen Hinterausgang des Lagers vorhanden.

Kontakt vor Ort

Stadt Meuselwitz Rathausstraße 1 04610 Meuselwitz

Telefon: 03448 4430 E-Mail: info@meuselwitz.de Internet: www.meuselwitz.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

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Förderverein Buchenwald
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Markt 10, 99423 Weimar

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Literatur

Schwarz, Fred: Züge auf falschem Gleis, Wien 1996.

Seidel, Irmgard: Meuselwitz (Frauen), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 523-526.

Andere Quellen

Der Lebensbericht der ehemaligen Gefangenen Maria Kosk „Aus den Schließfächern der Erinnerung“ liegt in der Gedenkstätte Buchenwald vor, ebenso eine Sammlung von Zeichnungen der 14-jährigen Insassin Maria Brzecka.