Tröglitz/Rehmsdorf

Im Mai 1944 brachten Bombenangriffe das Tröglitzer Treibstoffwerk der Braunkohle-Benzin-AG zum Erliegen. Daraufhin verlegte die SS über 5.000 Männer nach Tröglitz, die meisten davon ungarische Juden, und setzte sie für die Bau- und Räumarbeiten ein. Hunderte Häftlinge starben vor Ort oder wurden in andere KZs deportiert. Im April 1945 wurden die verbleibenden Häftlinge in Kohlewaggons nach Theresienstadt abtransportiert. Ungefähr 900 von ihnen starben unterwegs, weitere etwa 380 Menschen wurden durch SS-Männer und örtliche Einwohner erschossen. Insgesamt kamen mehr als 5.800 der etwa 8.600 Häftlinge ums Leben. Heute erinnern mehrere Gedenksteine und eine Ausstellung in der Heimatstube Rehmsdorf an das Außenlager.

Historische Situation

Bezeichnung

„Männeraußenlager Braunkohle-Benzin AG (Brabag), Zeitz“, Tarnname „Wille“ (nach dem Werkleiter der Brabag in Zeitz, Dr. Wille)

Standort

Das Werk der Brabag befand sich in Tröglitz, im südlichen Teil des heutigen Sachsen-Anhalt, die Baracken im nahegelegenen Rehmsdorf.

Unternehmen

Braunkohle-Benzin-AG (Brabag)

Zwangsarbeit

Die Häftlinge wurden auf dem Werksgelände vor allem für schwere Bau- und Räumarbeiten eingesetzt. Die Arbeits- und Lebensbedingungen für die Gefangenen waren katastrophal. Die ungenügende Versorgung mit Nahrungsmitteln, täglich zwölf Stunden harte Arbeit und ständige Schikanen der SS-Bewacher trugen dazu bei, dass ein Großteil der Zwangsarbeiter bereits nach vier Wochen Einsatz vor Entkräftung und Erschöpfung nicht mehr in der Lage war, die harten Anforderungen zu erfüllen.

Gegründet

4. Juni 1944

Aufgelöst

7. April 1945

Seit 1939 betrieb die Brabag in Tröglitz ein Treibstoffwerk. Ab dem 12. Mai 1944 brachten Bombenangriffe der Alliierten die Arbeit im Werk zum Erliegen. Um die Anlage wieder in Gang zu bringen, forderte die Brabag KZ-Häftlinge zum Einsatz in ihren Betrieben beim SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA) an. Am 4. Juni 1944 kamen die ersten Häftlinge nach Tröglitz.

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

5.000

Am 4. Juni 1944 kamen die ersten 200 jüdischen Häftlinge aus dem KZ Buchenwald an. Bis September 1944 stieg die Anzahl auf über 5.000 Häftlinge. Bei ihnen handelte es sich zu einem großen Teil um ungarische Juden, die von der SS über Auschwitz in das KZ Buchenwald deportiert worden waren. Zu ihnen gehörte auch der spätere Nobelpreisträger für Literatur Imre Kertész. Weitere Häftlinge kamen unter anderem aus Frankreich, Polen, Rumänien, Lettland, Tschechien, der Ukraine, Belgien, Deutschland und den Niederlanden.
Die Arbeits- und Lebensbedingungen für die Gefangenen waren katastrophal. Die ungenügende Versorgung mit Nahrungsmitteln, täglich zwölf Stunden harte Arbeit und ständige Schikanen der SS-Bewacher trugen dazu bei, dass ein Großteil der Zwangsarbeiter bereits nach vier Wochen Einsatz vor Entkräftung und Erschöpfung nicht mehr in der Lage war die harten Anforderungen zu erfüllen. Die Brabag ließ sie deshalb ständig gegen neue Häftlinge austauschen. Insgesamt durchliefen etwa 8.600 Häftlinge das Lager, über 850 starben direkt vor Ort. Tausende nicht mehr „arbeitsfähige“ Männer wurden in das KZ Buchenwald zurückgeschickt, unter anderem etwa 800 Häftlinge in einem einzigen Transport am 8. Februar 1945. Ein großer Teil dieser Männer wurde von der SS weiter nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Durch die vermehrten Bombenangriffe der Alliierten auf die Betriebsstätte der Brabag kamen viele weitere Häftlinge ums Leben.
In der Nacht vom 6. zum 7. April 1945 wurde das Lager in aller Eile geräumt. Für den Abtransport der etwa 3.000 verbliebenen Häftlinge in Richtung Leitmeritz und Theresienstadt nutzte die SS einen Zug mit zehn offenen Kohlewaggons. Ungefähr 900 Häftlinge überlebten den Transport nicht. In Reitzenhain, neunzig Kilometer vor Theresienstadt, endete die Zugfahrt aufgrund eines Angriffs der amerikanischen Luftwaffe. Dort erschossen Angehörige der SS und Einwohner vor Ort mindestens 380 Häftlinge, nachdem diese versucht hatten zu fliehen. Die übrigen wurden zu Fuß weiter nach Theresienstadt getrieben. Insgesamt kamen mehr als 5.800 der etwa 8.600 Häftlinge ums Leben, die im Zeitraum zwischen Juni 1944 und April 1945 das Lager in Tröglitz und Rehmsdorf durchliefen.

Unterbringung

Da es für die Häftlingstransporte aus Buchenwald keine Unterbringungsmöglichkeit gab, ließ die Betriebsleitung der Brabag in Tröglitz ein provisorisches Zeltlager für 5.000 Mann errichten. Bis Dezember 1944 mussten Häftlinge im drei Kilometer entfernten Rehmsdorf anstelle des Zeltlagers ein Lager mit 18 Steinbaracken aufbauen, in das sie dann umziehen mussten. Sanitäre Einrichtungen fehlten weiterhin, hinzu kam nun der tägliche Fußmarsch zum Werksgelände.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

51.05845438 12.22377062 N Straße der Opfer, Tröglitz-Rehmsdorf 11/2012 © Herbert Naumann
51.05845438 12.22377062 N
Straße der Opfer, Tröglitz-Rehmsdorf
11/2012 © Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Auf dem ehemaligen Lagergelände können noch zwei der Häftlingsbaracken besichtigt werden. Weitere Baracken wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Seit September 1946 erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof in Rehmsdorf an die Opfer des Außenlagers. Im Oktober 1963 wurde auch im Ort ein Denkmal errichtet. Hier finden jährlich Gedenkveranstaltungen statt. Seit 2005 erinnert eine Ausstellung in der Heimatstube Rehmsdorf im „Bürgerhaus“ an das Außenlager und seine Opfer. Heute beherbergt die Ausstellung neben zahlreichen Objekten aus der Lagerzeit auch über 2.700 Schriftstücke.

Kontakt vor Ort

Heimatstube Rehmsdorf und Gedenkstätte Rehmsdorf Brunnenplatz 5 06729 Elsteraue OT Rehmsdorf

E-Mail: gedenkstaette-rehmsdorf@gemeinde-elsteraue.de Internet: www.gemeinde-elsteraue.de

Dokumente

Lageplan des Barackenlagers in Rehmsdorf.
Lageplan des Barackenlagers in Rehmsdorf.
Denkmal für die Opfer des Außenlagers in Rehmsdorf.
Denkmal für die Opfer des Außenlagers in Rehmsdorf.
Informationstafel am ehemaligen Standort des Barackenlagers in Rehmsdorf.
Informationstafel am ehemaligen Standort des Barackenlagers in Rehmsdorf.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Czoßek, Lothar: Vernichtung - Auftrag und Vollendung, Zeitz 1997.

Czoßek, Lothar: Tröglitz/Rehmsdorf („Wille“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 593-596.

Heimler, Eugène: Bei Nacht und Nebel, Berlin 1993.

Kertész, Imre: Roman eines Schicksallosen, Berlin 1996.