Flößberg

Das Lager in Flößberg wurde im Dezember 1944 als letztes der sieben KZ-Außenlager der HASAG in Deutschland eingerichtet. Über 80 Prozent der 1.899 Häftlinge waren europäische Juden, hauptsächlich aus Polen und Ungarn. Die meisten Häftlinge mussten in 11-Stunden-Schichten Bauarbeiten für ein neues Rüstungswerk verrichten. Mindestens 235 Menschen kamen in Flößberg ums Leben. Weitere 264 der 572 nach Buchenwald zurückgeschickte Häftlinge starben im Stammlager. Mitte April 1945 wurden 1.144 verbliebene Häftlinge mit der Bahn nach Mauthausen deportiert, mindestens 208 starben unterwegs.

Historische Situation

Bezeichnung

„SS-Arbeitskommando Flößberg“, ab 1. März 1945 „SS-Arbeitskommando Flößberger Metallwerke“

Unternehmen

Hugo-Schneider AG (HASAG) Leipzig

Zwangsarbeit

Die Häftlinge mussten in 11-Stunden-Schichten (mit einer 15-minütigen Pause) die schwersten anfallenden Bauarbeiten für ein neues Rüstungswerk zur Produktion von Panzerfäusten verrichten. In sehr geringem Umfang wurden im März und April 1945 Panzerfäuste hergestellt.

Gegründet

28. Dezember 1944

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.899

Die ersten Häftlinge kamen am 28. Dezember 1944 in Flößberg an. Neben weiteren Transporten aus Buchenwald wurden in der Folge auch Häftlinge aus dem Außenlagern der HASAG in Leipzig und Schlieben nach Flößberg gebracht. Das Lager war laut Buchenwalder Lagerstatistik ein „jüdisches Außenkommando“. Etwa 270 Häftlinge, darunter die „Funktionshäftlinge“, wurden von der SS nicht als jüdisch kategorisiert, sondern als politische Gefangene oder sogenannte „Asoziale“ sowie einer als „Berufsverbrecher“. Einen Unterschied in der Behandlung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Häftlingen gab es nicht. Die Häftlinge kamen aus 36 europäischen und zwei nichteuropäischen Staaten, hauptsächlich aus Polen und Ungarn. Weitere Herkunftsländer waren unter anderem Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Kroatien, Lettland, Litauen, Niederlande, Österreich, Palästina, Rumänien, Russland, Schweden, Slowakei, Tschechien, Türkei und die Ukraine.
Bevor der Häftlingseinsatz begann, wurde um das Lagegelände ein elektrisch ladbarer Stacheldrahtzaun errichtet. Die Lagerbaracken mussten von den Häftlingen selbst errichtet werden. Daneben mussten die Häftlinge vor allem Baumfällungen, Gleisbau- und Schachtarbeiten ausführen. Misshandlungen von Häftlingen durch das Wachpersonal fanden in aller Öffentlichkeit statt.
Ab 24. Januar 1945 wurden in vier Transporten insgesamt 572 „arbeitsunfähige“ Häftlinge nach Buchenwald zurückgeschickt, von denen bis zur Befreiung noch 264 verstarben. Die ersten 27 Toten wurden nach Leipzig gebracht und dort verbrannt. Ab Februar 1945 wurden die Toten stattdessen nach Buchenwald gebracht, ab März 1945 wurden sie vor Ort in Massengräbern im Wald verscharrt. Vor Ort kamen mindestens 188 Häftlinge ums Leben.
Am 13. April 1945 begann die Evakuierung der verbliebenen 1.144 Häftlinge per Zug in Richtung Mauthausen, wo der Transport am 28. oder 29. April 1945 ankam. Unterwegs wurden in den tschechischen Orten Třebušice, Horní Bříza und Běšiny insgesamt 208 Tote beerdigt. Nach der Ankunft in Mauthausen verstarben noch fünf Häftlinge. Während des Transports flohen etwa 300 Häftlinge. Etwa 600 lebend angekommene Häftlinge wurden in Mauthausen befreit.

Unterbringung

Das Barackenlager wurde auf einem Feld direkt an der Straße von Flößberg nach Beucha errichtet. Die zuerst eingetroffenen Häftlinge mussten bei Temperaturen von unter -20°C in selbstgegrabenen Gruben übernachten und die Lagerbaracken errichten. Später schliefen die Häftlinge auf Strohmatratzen oder Holzpritschen. Sanitäre Anlagen waren nicht vorhanden.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Das Werksgelände wurde nach Kriegsende von der Bevölkerung geplündert. Das Lager und die Massengräber im Wald wurden im April 1945 von amerikanischen Truppen entdeckt und untersucht. 98 Opfer wurden Ende April nach Borna auf den heutigen Ehrenhain an der Lobstädter Straße umgebettet. Für weitere 38 Opfer, die im Sommer 1945 entdeckt wurden, wurde an Ort und Stelle im Wald ein Friedhof angelegt. Beide Begräbnisstätten wurden während der DDR-Zeit im Sinne der Erinnerung an den „antifaschistischen Widerstandskampf“ umgedeutet, unter anderem wurden vorhandene Davidssterne durch die roten Winkel der politischen Gefangenen ersetzt. Nach 1989 wurde die Umzäunung des Friedhofs komplett entfernt, sodass nur der Gedenkstein und das Tor des Friedhofs an den Ort erinnerten. Ende 2012 wurde der Friedhof neu gestaltet und im August 2013 geweiht. Das Mahnmal in Flößberg besteht aus einem Namensverzeichnis der vor Ort Verstorbenen, angedeuteten Grabsteinen, teilweise mit Stern, und einem VVN-Stein mit Erläuterung. Der Ehrenhain in Borna wurde bereits 2008 neu gestaltet und geweiht. Er besteht ebenfalls aus einem Namensverzeichnis der in Flößberg Verstorbenen, angedeuteten Grabsteinen, teilweise mit Stern, und einer VVN-Stele mit Erläuterung.

Kontakt vor Ort

Herr Wolfgang Heidrich

E-Mail: ww-heidrich@t-online.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Was ist die Summe aus 1 und 2?

Literatur

Geschichtswerkstatt Flößberg: KZ-Außenlager Flößberg, in: Kulturbahnhof e.V. (Hrsg.): Die Zukunft des Vergangenen. Künstlerische Positionen zur Erinnerung an die KZ-Außenlager im Landkreis Leipzig, Markkleeberg 2013, S. 46f.

Schellenberg, Martin: Die „Schnellaktion Panzerfaust“. Häftlinge in den Außenlagern des KZ Buchenwald bei der Leipziger Rüstungsfirma HASAG, in: Dachauer Hefte, 21 (2005), S. 237-271.

Schellenberg, Martin: Flößberg, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 442.