Aschersleben (Männer)

Im Außenlager Aschersleben mussten ab August 1944 etwa 635 männliche Häftlinge im Auftrag der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke Zwangsarbeit leisten. Mindestens neun Männer kamen vor Ort ums Leben. Im April 1945 trieb die SS die verbliebenen Häftlinge auf zwei Todesmärsche, bei denen mindestens 68 weitere Menschen starben.

Historische Situation

Bezeichnung

In den Quellen finden sich unterschiedliche Bezeichnungen: Kommando Buchenwald 635, Außenkommando KZ Buchenwald-Aschersleben, Außenlager Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG, sowie der Tarnname „Maus“ und der Codename „AL“.

Unternehmen

Junkers-Flugzeug-Motorenwerke Aschersleben

Zwangsarbeit

Produktion von Flugzeugen

Gegründet

7. Juli 1944

Aufgelöst

10. April 1945

Das Männerlager wurde je nach Quelle am 7. Juli 1944 oder am 15. August 1944 eingerichtet. Die Zwangsarbeit im Junkerswerk wurde im März 1945 infolge von Luftangriffen eingestellt. Die "Evakuierung“ der Häftlinge erfolgte ab dem 6. April 1945.

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

635

Das Lager wurde im August 1944 mit 177 männlichen Häftlingen eingerichtet. Mitte Dezember 1944 befanden sich 635 Männer im Lager, am 31. Januar 1945 waren es noch 446 Männer. Unter den Gefangenen waren Albaner, Franzosen, Griechen, Holländer, Italiener, Jugoslawen, Kroaten, Polen, Russen, Spanier, Tschechen, „Reichsdeutsche“ und Staatenlose. Sie waren von der SS in die Häftlingskategorien „Arbeitsscheu“, „Asozial“, „Berufsverbrecher“ oder „Politisch“ eingeteilt worden. Mindestens neun Häftlinge kamen vor Ort in Aschersleben ums Leben.
Die „Evakuierung“ der Häftlinge erfolgte vom 6. bis 11. April 1945. Der erste Todesmarsch führte am 6. April 1945 Richtung Torgau, der Verbleib der Häftlinge ist unbekannt. Der zweite Todesmarsch startete am 11. April 1945, drei Tage später kamen 150 Häftlinge in Mühlbeck an. Am 15. April scheiterte der Versuch, diese weiter nach Torgau zu transportieren. Die SS brachte die Häftlinge daher in ein Waldgebiet bei Mühlbeck. Später wurden dort 68 Ermordete aufgefunden.

Unterbringung

Die Häftlinge waren in Baracken auf dem Werksgelände untergebracht.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Viele Gebäude wurden nach Kriegsende zerstört, weitere vom „VEB Kombinat Fritz Heckert“ genutzt. 1977 wurde in der Wilslebenerstraße ein Gedenkstein sowie auf dem Werksgelände ein Mahnmal errichtet. Heute befindet sich auf dem Gelände die Schiess AG.

Kontakt vor Ort

Stadtarchiv Aschersleben An der Darre 11 06449 Aschersleben

Telefon: 03473 2265940 E-Mail: archiv@aschersleben.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Biedermann, Charles-Claude: Aschersleben (Männer), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 371f.

Andere Quellen

Das ehemalige Außenkommando des KZ Buchenwald in Aschersleben, s.d., s.l. (Stadtarchiv Aschersleben, Archivbibliothek).