Berga/Elster

Unter der Bezeichnung „Schwalbe V“ richtete die SS im Herbst 1944 das Außenlager in Berga/Elster ein. Insgesamt etwa 3.400 überwiegend jüdische Häftlinge mussten dort im Auftrag der Braunkohle Benzin AG Zwangsarbeit leisten. Über 300 von ihnen kamen ums Leben. Im April 1945 wurden die verbliebenen Gefangenen auf einen Todesmarsch in Richtung Dachau und Theresienstadt getrieben.

Historische Situation

Bezeichnung

„Schwalbe V“ bzw. „Schwalbe 5“, Codename „S“

Standort

Das Außenlager befand sich am Zikraer Berg bei Berga, 15 Kilometer südlich von Gera. Damalige Adresse: Braun und Co, Abt. Bergbau Nr. 200(15), Berga/Elster, Postfach 16, Ruf 214.

Unternehmen

Spitzenauftraggeber war der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion über das „Geilenberg-Programm“. Bauherr war die Braunkohle Benzin AG (Brabag) Zeitz bzw. Böhlen, die ihrerseits weitere Unternehmen beauftragte.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge mussten extrem schwere Bauarbeiten für das Untertagebauvorhaben des Hydrierwerkes der Brabag in Zeitz Zwangsarbeit leisten.

Gegründet

13. November 1944

Aufgelöst

11. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.767

Am 13. November 1944 trafen die ersten 70 Häftlinge ein. Im Abstand von drei bis vier Wochen folgten weitere Transporte mit jeweils 500 bis 1.000 Häftlingen. Die Höchstbelegung wurde vermutlich im April 1945 mit 1.767 Gefangenen erreicht. Insgesamt waren etwa 3.421 Häftlinge in Berga. Sie kamen unter anderem aus Ungarn, Polen, der Slowakei, dem „Protektorat“ Böhmen und Mähren, Russland, der Ukraine, Weißrussland, Frankreich, Belgien, Holland, Italien und Deutschland. Es handelte sich überwiegend um von der SS als jüdisch kategorisierte Menschen. Weitere Kategorien waren „Politische“, „Arbeitsscheu Reich“ und „Berufsverbrecher“. Hinzu kamen 350 amerikanisch-jüdische Kriegsgefangene aus dem Stalag IX-B in Bad Orb, die ab dem 13. Februar 1945 ebenfalls in den Stollen arbeiten mussten.
In der Zeit von November 1944 bis April 1945 kamen etwa 315 Menschen in Berga ums Leben, darunter 257 jüdische Häftlinge. Sie starben unter anderem durch Krankheiten, Hunger und Arbeitsunfälle, aber auch durch Misshandlungen und Erschießungen. Die Toten wurden vor Ort in Massengräbern verscharrt. Die amerikanischen Kriegsgefangenen wurden am 5. April 1945 Richtung Bayern „evakuiert“ und schließlich von der US-Armee befreit. Im Lager und während des Marsches starben mindestens 70 Kriegsgefangene.
Die letzte Stärkemeldung aus Berga vom 11. April 1945 verzeichnete noch 1.767 KZ-Häftlinge. Etwa 200 von ihnen, die nicht mehr marschfähig waren, brachte die SS per Zug nach Dachau. Die anderen etwa 1.500 Häftlinge wurden auf einen Todesmarsch getrieben. Die genaue Zahl der Opfer dieses Marsches ist unbekannt, jedoch bestand die Gruppe am 21. April 1945 nur noch aus 850 Menschen. Später wurden sie in mehrere Gruppen getrennt und teilweise noch bis Theresienstadt getrieben.

Unterbringung

Die KZ-Häftlinge waren in einer Werkhalle untergebracht, die Kriegsgefangenen in Baracken, alle ca. 850 Meter von der Baustelle entfernt.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

50.74507445 12.15410292 N Buchenwaldstraße, Berga/Elster 09/2013 © Herbert Naumann
50.74507445 12.15410292 N
Buchenwaldstraße, Berga/Elster
09/2013 © Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Es sind noch Reste von Baracken und Fundamente zu sehen. Das Betreten der damaligen Baustelle Schwalbe V (zugesprengte Stollen) ist streng verboten und wird bei Zuwiderhandlungen strafrechtlich verfolgt. Vor Ort gibt es drei Gedenkzeichen. Am ehemaligen Standort der Unterbringung der Häftlinge sowie im Stadtkern (am Brandplatz) sind Gedenktafeln angebracht. Das Massengrab der über 300 zu Tode gekommenen Häftlinge wurde mit Unterstützung der Start Berga/Elster, des Volksbundes und der Firma Eggert aus Nordrhein-Westfalen zur Grabstätte und zum Mahnmal umgestaltet und 2020 mit einem jüdischen Ritual eingeweiht.

Kontakt vor Ort

Heimat- und Geschichtsverein Berga/Elster

E-Mail: webmaster@heimatverein-berga-elster.de Internet: www.heimatverein-berga-elster.de

Dokumente

Die Grabstätte in Berga-Elster.
Die Grabstätte in Berga-Elster.
Die Grabstätte in Berga-Elster.
Die Grabstätte in Berga-Elster.
Die Grabstätte in Berga-Elster.
Die Grabstätte in Berga-Elster.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Schmidt, Christine: Berga/Elster („Schwalbe V“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 386.

Schmidt, Christine: Der Todesmarsch des Buchenwald-Außenlagers Berga/Elster, in: Jahrbuch des Museums Reichenfels-Hohenleuben, 2009, S. 49-80.

Andere Quellen

2007 brachte der Bergaer Heimat- und Geschichtsverein eine Zusammenstellung der zur Verfügung stehenden Unterlagen und Informationen in Form einer Broschüre heraus. Alle Unterlagen und Informationen sind das Ergebnis mehrjähriger Recherchen einiger Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Berga.