Eisenach

Im Eisenacher Ortsteil Dürrerhof wurde im März 1944 im Auftrag von BMW ein Außenlager des KZ Buchenwald aufgebaut. Mehrere hundert Häftlinge mussten dort in der Produktion von Flugzeugteilen arbeiten. Untergebracht waren sie in der Werkhalle M, direkt auf dem Werksgelände. Mindestens sechs Häftlinge kamen ums Leben. Mitte Februar 1945 wurde das Außenlager aufgelöst. Seit 2006 befindet sich vor Ort eine Gedenkstele.

Historische Situation

Bezeichnung

„Männeraußenlager Bayerische Motorenwerke (BMW), Eisenach“, Projektbezeichnung „BMW Eisenach/Stockhausen“ bzw. „Dürrerhof“, Tarnbezeichnung „Emma“

Standort

Das Lager befand sich an der Landstraße Abzweig B 84, Richtung Hötzelsroda, genannt Dürrerhöfer Allee.

Unternehmen

Auftraggeber war die BMW-Flugmotorenbau GmbH, Werk Eisenach. BMW setzte schon seit 1941/42 in seinen Werken in Eisenach „zivile“ Zwangsarbeiter:innen und Kriegsgefangene ein, mit der Einrichtung des Außenlagers „Emma“ kamen KZ-Häftlinge hinzu.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge mussten in 12-Stunden-Schichten in der Produktion von Flugzeugteilen arbeiten. In der selben Werkshalle waren auch etwa 20 deutsche Vorarbeiter beschäftigt.

Gegründet

14. März 1944

Aufgelöst

16. Februar 1945

Nach dem Bericht eines ehemaligen Häftlings kam der erste Transport bereits im Winter 1943 in Eisenach an, eine Transportliste aus den Archiven des Internationalen Suchdienstes nennt hingegen den 14. März 1944 als Gründungsdatum.

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

627

Die ersten 39 Häftlinge wurden im März 1944 aus dem Außenlager Allach des KZ Dachau nach Eisenach gebracht. Im Juli 1944 befanden sich etwa 627 Häftlinge im Lager. Die durchschnittliche Belegungszahl lag zunächst bei etwa 600 Häftlingen. Später erfolgten Transporte in das Außenlager Abteroda, wo die Produktion unter Tage verlegt werden sollte, sodass die Belegung in Eisenach auf knapp 400 Häftlinge sank. Über den gesamten Zeitraum hinweg könnten sogar etwa 2.500 Männer im Lager gewesen sein, da die SS entkräftete Häftlinge ins Stammlager Buchenwald zurückschickte und durch neue ersetzte.
Es handelte sich hauptsächlich um sowjetische Kriegsgefangene, hinzu kamen Polen, Franzosen, Jugoslawen, Tschechen, Italiener und wenige Ungarn, Holländer und Deutsche. Die meisten waren als „politische“ Gefangene kategorisiert, darunter auch die Kriegsgefangenen. Hinzu kamen einige sogenannte „Berufsverbrecher“. Mindestens sechs Häftlinge kamen ums Leben, nach Zeugenberichten wurden zudem einige Häftlinge nach Fluchtversuchen auf dem Werksgelände hingerichtet.
Am 16. Februar 1945 wurde das Lager aufgelöst, noch am selben Tag kamen 383 Häftlinge aus Eisenach vermutlich per Zug im Stammlager an.

Unterbringung

Die Häftlinge waren in der Werkhalle M untergebracht, unmittelbar auf dem Werksgelände selbst.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Das Werk wurde nach Kriegsende geschleift, teilweise ist das Areal mit einer Kleingartenanlage überbaut. Später befand sich hier auch eine Mülldeponie, große Teile sind von Grün überwuchert. Bei genauem Hinsehen sind allerdings noch bauliche Reste der einstigen Anlage erkennbar. 2006 wurde am Eingang des ehemaligen Werksgeländes eine Gedenkstele errichtet mit der Inschrift: „Im Gedenken an die KZ-Häftlinge des Außenkommandos ‚Emma‘ des KZ Buchenwald und die Zwangsarbeiter im früheren BMW Flugmotorenwerk Dürrerhof“.

Kontakt vor Ort

Stadtarchiv Eisenach Markt 24 99817 Eisenach

Telefon: 03691 670138 E-Mail: archiv@eisenach.de Internet: www.eisenach.de

Dokumente

Die Gedenkstele in Eisenach im Jahr 2015 (Foto: Jessica Lindner-Elsner).
Die Gedenkstele in Eisenach im Jahr 2015 (Foto: Jessica Lindner-Elsner).

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
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Markt 10, 99423 Weimar

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Literatur

Werner, Constanze: Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW. Im Auftrag von MTU Aero Engines und BMW Group, München 2006.

Wussow, Christian: Eisenach („Emma“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 433f.

Andere Quellen

Elsner, Jessica: Das KZ Außenlager „Emma“ in Eisenach - Zur Geschichte und Rolle des Lagers im Nationalsozialismus und dessen öffentlicher Wahrnehmung in der Wartburgstadt Eisenach, Masterarbeit, Universität Erfurt 2015.

Breitung, Bianka: Die Außenkommandos des ehemaligen faschistischen Konzentrationslagers Buchenwald in Eisenach (‚Emma‘), Abteroda (‚Anton‘) und in Bad Salzungen (‚Ludwig Renntier‘ und ‚Heinrich Kalb‘), Diplomarbeit, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1989.