Hasserode

Ab November 1944 mussten Häftlinge aus dem bereits bestehenden Lager „Richard“ in Wernigerode ein Außenkommando in Hasserode (Steinerne Renne) für die dortige Rüstungsproduktion errichten. Von den etwa 500 männlichen Häftlingen kamen mindestens acht ums Leben. Im April 1945 trieb die SS einen Teil der Häftlinge auf einen Todesmarsch bis nach Tschechien, bei dem viele Menschen ums Leben kamen.

Historische Situation

Bezeichnung

Wernig-Werke AG, Tarnname „Richard“ (übernommen vom Außenlager Wernigerode).

Standort

Das Zweigwerk „Steinerne Renne“ der Wernig-Werke AG befand sich auf dem Gelände des Wiesengrund Marmorwerks in Hasserode.

Unternehmen

Wernig-Werke AG

Zwangsarbeit

Die Häftlinge mussten in der Rüstungsindustrie arbeiten, insbesondere in der Flugzeug- und Triebwerksproduktion.

Gegründet

November 1944

Aufgelöst

10. April 1945

Ab November 1944 mussten Häftlinge aus dem Außenlager „Richard“ in Wernigerode das Außenkommando in Hasserode errichten. Bis zum Dezember 1944 wurde der größte Teil der Häftlinge vom Veckenstedter Weg in Wernigerode nach Hasserode überstellt und das frühere Lager offiziell aufgelöst.

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

500

Das Lager wurde mit 500 Häftlingen aus dem Außenlager Wernigerode eingerichtet. Ausgehend von den in Wernigerode inhaftierten Männern handelte es sich vermutlich überwiegend um Polen, Russen, Jugoslawen, Franzosen und Tschechen sowie vereinzelt Deutsche und Angehörige anderer Nationalitäten, darunter viele „politische“ Gefangene. Vor Ort in Hasserode kamen mindestens acht Häftlinge ums Leben.
Das Lager Hasserode wurde 10. April 1945 auf Befehl der SS „evakuiert“ und die Häftlinge zu Fuß Richtung Osten getrieben. Nach drei Tagen erreichten sie Calbe, wo 300 Häftlinge zurückgelassen und später befreit wurden. Insgesamt 57 Häftlinge kamen nach 16 Tagen Todesmarsch in Leitmeritz (heute Litomerice in Tschechien) an. Zahlreiche Menschen starben unterwegs.

Unterbringung

Die Häftlinge mussten vier Baracken direkt auf dem Werksgelände montieren, die zur Unterbringung sowie als Küche, Waschraum und Sanitätsstube genutzt wurden. Zeitweise mussten sich zwei Häftlinge ein Bett teilen. Zur Bewachung des Lagers waren in Hasserode 49 SS-Leute eingesetzt. In der letzten Phase wurde der größte Teil der Wachmannschaften durch in die SS aufgenommene Luftwaffenangehörige und Fremdarbeiter aus verbündeten Staaten (Rumänien, Ungarn, Kroatien) abgelöst. Diese waren oftmals mit der eigenen Lage unzufrieden und bereit, auf Absprachen zum Vorteil der Häftlinge einzugehen.

Heutige Situation

Das Gelände wurde nach Kriegsende aus Auffanglager für Flüchtlinge und Aussiedler genutzt, später wurden die Gebäude abgerissen. Erst 1992 wurde auf Initiative belgischer Zwangsarbeiter ein Gedenkstein und eine Tafel installiert. Im ehemaligen Lagerbereich der Außenlagers in Wernigerode besteht heute die Mahn- und Gedenkstätte Veckenstedter Weg.

Kontakt vor Ort

Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode Veckenstedter Weg 43 38855 Wernigerode

Telefon: 03943 632109 Internet: www.kreis-hz.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

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Literatur

Jahn, Franziska: Wernigerode („Richard“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 606-609.