Lehesten („Laura“)

Das Außenlager „Laura“ bei Lehesten im Thüringer Schiefergebirge wurde im September 1943 eingerichtet. Die bis zu 1.227 Häftlinge mussten im Rüstungsbetrieb „Vorwerk Mitte“ Schwerstarbeit bei der Untertageverlagerung der Raketenproduktion leisten. Mindestens 539 von ihnen kamen ums Leben. Im April 1945 wurden die Häftlinge in Richtung Dachau deportiert. Als einziges Buchenwalder Außenlager ist das Lager Laura in seiner Gebäudesubstanz fast vollständig erhalten. Seit 1979 ist vor Ort eine Gedenkstätte eingerichtet.

Historische Situation

Bezeichnung

„Männeraußenlager bei der Bauleitung Saalfeld, Bauvorhaben Oertelsbruch“, Außenkommando „Laura“, Arbeitslager Saalfeld, Rüstungsbetrieb „Vorwerk Mitte“

Standort

Das Lager befand sich im „Oertelsbruch“, einem großen Tagebaukessel mit kilometerlangen Stollensystemen, Werkstätten und zahlreichen Versorgungs- und Verwaltungsgebäuden. Die Adresse lautete Im Fröhlichen Tal, Schmiedebach, 07349 Lehesten (Thüringer Schiefergebirge).

Unternehmen

Auftraggeber war der Rüstungsbetrieb „Vorwerk Mitte“ im Schieferbetrieb „Oertelsbruch“, über die zu diesem Zweck als Tarnfirma gegründete „Steinbruch-Verwertungs-GmbH“

Zwangsarbeit

Die Häftlinge mussten Schwerstarbeit bei der Untertageverlagerung der Raketenproduktion leisten und Stollen für den Testbetrieb der Triebwerke der Rakete A4 im Oertelsbruch ausbauen.

Gegründet

21. September 1943

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.227

Das Außenlager wurde am 21. September 1943 mit zunächst 100 männlichen Häftlingen eingerichtet. Bis Ende Oktober stieg die Zahl auf 868, bis Dezember 1943 auf bis zu 1.227 Häftlinge, die zeitgleich im Lager untergebracht waren. Hinzu kamen etwa 170 italienische Militärinternierte.
Die Gefangenen litten unter mangelhafter Ernährung, unzureichender Kleidung, fehlender medizinischer Versorgung und permanenten Misshandlungen durch die Wachposten. Bereits im ersten Winter stieg die Todesrate sprunghaft an, bis Ende März 1944 starben 457 Häftlinge. Zahlreiche weitere wurden als „arbeitsunfähig“ nach Buchenwald und Bergen-Belsen zurückgeschickt. Im Mai 1944 waren nur noch 900 Häftlinge verblieben, von denen viele in den kommenden Monaten in das Außenlager Dora überstellt wurden. Bis Ende Januar 1945 blieb die Belegung mit 450 Häftlingen weitgehend konstant, dann traf ein Transport mit 200 polnischen Juden ein, die wegen der Überbelegung des Stammlagers Buchenwald ins Lager „Laura“ verlegt wurden.
Über die gesamte Zeit hinweg waren mindestens 2.669 Häftlinge im Außenlager „Laura“. Die meisten waren „politische“ Gefangene aus Frankreich, Polen, der Sowjetunion, der Ukraine, Tschechien, Belgien, Holland, Italien und Jugoslawien. Hinzu kamen deutsche Häftlinge, die von der SS in die Häftlingskategorien „Berufsverbrecher“ und „Arbeitsscheu/Asozial“ einsortiert worden waren. Insgesamt kamen mindestens 538 Häftlinge vor Ort ums Leben, anderen Quellen sprechen von bis zu 560 Todesopfern.
Marschfähige Häftlinge wurden noch kurz vor der Ankunft der amerikanischen Truppen am 13. April 1945 zum Bahnhof Wurzbach getrieben und per Zug Richtung Dachau transportiert. Sechs Tage später stoppte der Transport am Dachauer Außenlager Allach, wo die überlebenden Häftlinge am 30. April 1945 von der US-Armee befreit wurden.

Unterbringung

Die Häftlinge waren in ehemals landwirtschaftlich genutzten, schieferverkleideten Scheunen („Schieferspalthütten“) untergebracht.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Seit 1956 erinnert ein Gedenkstein im Gelände des ehemaligen Lagers an die Opfer. Seit 1979 ist in der ehemaligen Häftlingsunterkunft eine Gedenkstätte mit musealer Ausstellung eingerichtet. Unmittelbar neben dem Gedenkstein befindet sich das Urnengrab des 2009 dort beigesetzten ehemaligen holländischen Laura-Häftlings Herman van Hasselt. Als einziges ehemaliges Außenlager des KZ Buchenwald ist das Lager Laura in seiner Gebäudesubstanz heute noch fast vollständig erhalten. Die Gedenkstätte befindet sich somit am authentischen Ort. Alle Gebäude sowie Gebäudefundamente stehen unter Denkmalschutz. Zudem sind zahlreiche Fundamente wichtiger Lagereinheiten erhalten. Auch Rekonstruktionen, u.a. von Bettgestellen, können besichtigt werden.

Kontakt vor Ort

KZ-Gedenkstätte Laura Schmiedebach, Fröhliches Tal 07349 Lehesten

Telefon: 036653 264675 E-Mail: info@kz-gedenkstaette-laura.de Internet: www.kz-gedenkstaette-laura.de

Förderverein Gedenkstätte Laura e.V. Frau Dorit Gropp Lositz 5 07422 Saalfelder Höhe

Telefon: 036736 22353 E-Mail: info@kz-laura.de

Dokumente

Rekonstruktion des Inneren einer Baracke, Gedenkstätte Laura.
Rekonstruktion des Inneren einer Baracke, Gedenkstätte Laura.
Ausstellungsstücke an der Gedenkstätte Laura.
Ausstellungsstücke an der Gedenkstätte Laura.
Gedenkstätte Laura.
Gedenkstätte Laura.
Gedenkstätte Laura.
Gedenkstätte Laura.
Mahnmal an der Gedenkstätte Laura.
Mahnmal an der Gedenkstätte Laura.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Bitte addieren Sie 5 und 6.

Literatur

Bartuschka, Andrej: Das KZ-Außenlager Laura (Blätter zur Landeskunde 98, hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen), Erfurt 2013.

Bonifas, Aimé: Häftling 20801. Ein Zeugnis über die faschistischen Konzentrationslager, Berlin 1968.

Gropp, Dorit: Aussenkommando Laura und Vorwerk Mitte Lehesten. Testbetrieb für die V2-Triebwerke, Bad Münstereifel 1999.

Gropp, Dorit: Saalfeld („Laura“), in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 555-559.

Kessler, Ryszard: Die Hölle im Schieferberg. Erinnerungen an „Laura“, Saalfeld 1998.

Steiner, Gunter: Das KZ-Außenlager Laura in Schmiedebach und die Raketentechnik, Saalfeld 2010.