Markkleeberg

Das Außenlager der Junkers-Werke in Markkleeberg wurde im August 1944 eingerichtet. Unter den bis zu 1.542 weiblichen Häftlingen waren 500 ungarischen Jüdinnen sowie 250 Französinnen der Résistance. Mindestens sieben Frauen sowie ein Neugeborenes kamen ums Leben. Im April 1945 wurden die Frauen wurden auf den Todesmarsch in Richtung Theresienstadt geschickt, den viele nicht überlebten. Heute erinnert eine Gedenktafel an das Lager.

Historische Situation

Bezeichnung

„Frauenaußenlager Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Markkleeberg bei Leipzig“, „Außenlager (teilweise auch Außenkommando) Markkleeberg / Am Wolfwinkel“

Standort

Das Lager befand sich auf dem Gebiet der ehemaligen Gautzscher Spinnerei in der Stöhrstraße, westlich der Kammgarnspinnerei an der Bahnlinie nach Kleinzschocher, am Wald und gegenüber einer Wohnbebauung mit Einfamilienhäusern. Heute befindet sich auf dem damaligen Lagerkomplex die Bauschlosserei Berg, die heutige Adresse lautet Equipagenweg 21-23, 04416 Markkleeberg.

Unternehmen

Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG

Zwangsarbeit

Die meisten Häftlinge mussten für die Junkers-Flugzeugwerke arbeiten. 250 Französinnen der Résistance wurden für schwere Straßen- und Erdbauarbeiten sowie das Beladen und Entladen von Eisenbahnwaggons eingesetzt.

Gegründet

31. August 1944

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Frauenlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.542

Am 31. August 1944 wurde das Lager mit 500 ungarischen Jüdinnen eingerichtet, die mit dem Zug aus Auschwitz nach Markkleeberg transportiert wurden. Die Zahl der Insassinnen stieg bis Jahresende 1944 auf 1.300. Die höchste Belegung wurde am 26. Februar 1945 mit 1.542 Frauen und Mädchen erreicht. Die jüngsten von ihnen waren erst zwölf Jahre alt und hatten bei der Selektion in Auschwitz ein höheres Alter angegeben, um der Ermordung in den Gaskammern zu entgehen. Die meisten Frauen mussten für die Junkers-Flugzeugwerke arbeiten. Unter den Häftlingen waren ab Februar 1945 auch 250 Französinnen der Résistance, eine Art Strafkolonne, die für schwere Straßen- und Erdbauarbeiten sowie das Beladen und Entladen von Eisenbahnwaggons eingesetzt wurden. Strafaktionen wie Prügel und stundenlange Appelle waren auch für die jüdischen Häftlinge an der Tagesordnung. Mindestens sieben Frauen sowie ein Neugeborenes kamen vor Ort ums Leben, weitere wurden nach Bergen-Belsen deportiert.
Am 13. April 1945 wurde das Lager geräumt und 1.539 Frauen wurden auf den Todesmarsch in Richtung Theresienstadt geschickt. Die Französinnen trafen am 29. April 1945 auf ehemalige französische Kriegsgefangene, die ihnen bei der Flucht halfen. Sie erreichten am 31. Mai 1945 Paris. Von den ungarischen Jüdinnen flohen einige, viele überlebten die Strapazen nicht. Nach 18 Tagen erreichte die erste Gruppe Theresienstadt – die SS-Männer waren schon unterwegs teilweise geflohen. 669 Frauen aus Markkleeberg wurden Anfang Mai 1945 in Theresienstadt registriert und schließlich befreit.

Unterbringung

Die Junkers Flugzeugwerke arbeiteten vor Einrichtung des KZ-Außenlagers mit „zivilen“ Zwangsarbeitern, für die sie ein provisorisches Barackenlager aus sieben Holzbaracken mit einem Speiseraum, einer Kohlenbaracke sowie einem Löschteich gegenüber einer Wohnbebauung mit Einfamilienhäusern errichten ließen. Bei einem Luftangriff im Februar 1944 wurden diese Holzbaracken zerstört. Es erfolgte der Wiederaufbau der Baracken, diesmal aus Stein. Die Werksleitung plante dabei schon für einen Einsatz von KZ-Häftlingen. Ein elektrisch geladener Zaun und Wachtürme umgaben die Baracken, die Bewachung bestand aus einem Lagerkommandanten, 18 SS-Männern und 25 Aufseherinnen.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Die Baracken wurden nach Kriegsende von verschiedenen Betrieben als Produktionsort und Materiallager weiter genutzt. 1993 wurde die ehemalige Baracke „E“ unter Denkmalschutz gestellt, die restlichen Baracken wurden abgerissen. Am 8. Mai 1975 wurde am Ort des ehemaligen Außenlagers eine Gedenktafel mit sozialistisch geformter Inschrift eingeweiht, die aber nur 600 Frauen erwähnte. Nach 1990 kam von ehemaligen Häftlingsfrauen aus Frankreich und Israel ein neuer Textvorschlag, der im Jahr 1998 im Beisein ehemaliger Markkleeberger Häftlingsfrauen feierlich eingeweiht wurde. Die Tafel gestaltete der Leipziger Künstler Markus Gläser.

Kontakt vor Ort

Stadtverwaltung Markkleeberg, Stadtarchiv Raschwitzer Straße 34a 04416 Markkleeberg

Telefon: 0341 3533219 E-Mail: stadtarchiv@markkleeberg.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Literatur

Kramer, Florian: KZ-Außenlager Markkleeberg, in: Kulturbahnhof e.V. (Hrsg.): Die Zukunft des Vergangenen. Künstlerische Positionen zur Erinnerung an die KZ-Außenlager im Landkreis Leipzig, Markkleeberg 2013, S. 48f.

Seidel, Irmgard: Markkleeberg, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 520-523.

Szász Stessel, Zahava: Snow Flowers, Rosemont Publishing & Printing Corp., 2009.

Szász Stessel, Zahava: Wine and Thorns in Tokay Valley, Fairleigh Dickinson University Press, 1995.

Andere Quellen

Die autobiografischen Berichte von Dr. Zahava Szász Stessel (siehe Literatur) berichten in englischer Sprache über das Leben vor der Deportation in Ungarn, die Deportation sowie das Lager in Markkleeberg. Am 16. April 2008 nahm Frau Dr. Stessel die Ehrenbürgerwürde der Stadt Markkleeberg an.

Zudem liegt eine ungedruckte Diplomarbeit von Melanie Glodeck zum Thema „Gedenkstättendidaktik am Beispiel der Gedenktafel im Wolfwinkel/Markkleeberg – historische Erinnerungen an das KZ-Außenlager“ vor.