Penig

Im Januar 1945 richtete die SS in Penig ein Außenlager mit 700 ungarischen Jüdinnen ein. Sie mussten im Gerth-Werk Zwangsarbeit leisten. Bis März 1945 stieg die Belegung auf 1.047 Häftlinge. Mindestens zehn Frauen kamen ums Leben. Im April 1945 mussten die Frauen zu Fuß nach Südosten abmarschieren. Vor Ort an der heutigen Reitsportanlage steht seit 1967 ein Gedenkstein.

Historische Situation

Bezeichnung

„Frauenaußenlager Max-Gehrt-Werke Penig/Kreis Rochlitz“

Standort

Das Lager befand sich in einer verlassenen Kiesgrube an der Reichsstraße 95 (heute B95) zwischen Langenleuba-Oberhain und Penig. Die Häftlinge mussten täglich drei Kilometer zu ihren Arbeitsstätten marschieren.

Unternehmen

Die Frauen arbeiteten im Max-Gerth-Werk in Penig, einem Zulieferer der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG.

Zwangsarbeit

Die Fauen mussten täglich acht Stunden in der Produktion von Flugzeugteilen eingesetzt.

Gegründet

10. Januar 1945

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Frauenlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.047

Das Lager wurde am 10. Januar 1945 mit 700 Frauen aus dem KZ Ravensbrück eingerichtet. Bis März 1945 stieg die Zahl auf 1.047 Häftlinge. Es handelte sich um jüdische Mädchen und Frauen aus Ungarn, die jüngsten waren 13, die ältesten 53 Jahre alt. Augenzeugen aus dem Dorf berichteten nach Kriegsende von der dünnen Kleidung der Frauen im Winter und von Misshandlungen durch die Aufseherinnen. Krankheiten wie Typhus und Tuberkulose breiteten sich rasch aus. Mindestens zehn Frauen kamen im Lager ums Leben.
Am 13. April 1945 mussten die Häftlinge, gemeinsam mit etwa 100 weiteren Frauen aus dem Außenlager Abteroda, zu Fuß nach Südosten in Richtung Chemnitz bzw. Mittweida abmarschieren. Bei Leitmeritz trafen sie schließlich auf amerikanische Soldaten. Etwa 80 völlig entkräftete Frauen blieben im Lager zurück und wurden am 15. April 1945 von Truppen der US-Armee (Reservekampfgruppe Oblt. Lagrew der 6. amerikan. Panzerdivision) befreit. Mehrere starben noch in den Wochen danach an den Folgen der Zwangsarbeit.

Unterbringung

Die Frauen waren in vier Häftlingsbaracken in einer ehemaligen Sandgrube untergebracht. Bis in das Frühjahr hinein gab es keine Waschmöglichkeit, erst dann wurde eine Waschanlage gebaut.

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Auf dem Friedhof Langenleuba-Oberhain existiert ein Grab mit Häftlingen aus dem Außenlager. Eine ehemalige Baracke wird heute vom Reitverein genutzt. Seit 1967 steht ein Gedenkstein an der heutigen Reitsportanlage, mit der Inschrift: „Die Opfer mahnen. Außenlager des KZ Buchenwald 1942-1945“.

Kontakt vor Ort

Heimat-und Geschichtsverein Penig und Umgebung e.V.

Internet: www.penig.de

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
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Markt 10, 99423 Weimar

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Literatur

Junghans, Horst: Es geschah in unserer Heimat. Miriquide-Jahresheft, 2000.

Seidel, Irmgard: Penig, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 544ff.

Andere Quellen

Die ehemalige Gefangene Rosa Deutsch aus Budapest kehrte 1983 nach Penig zurück, um den Gedenkstein zu besuchen. Anschließend verfasste sie einen Bericht über ihre Erfahrungen im Lager.