Wewelsburg

Nach den Planungen des Reichsführers-SS Heinrich Himmler sollte das 1934 von ihm gepachtete Renaissance-Schloss Wewelsburg zu einem elitären Versammlungsort für höhere SS-Führer umgestaltet werden. Für Ausbau und Renovierung wurden seit Sommer 1939 KZ-Häftlinge eingesetzt, zunächst in einem Außenkommando, später einem Außenlager des KZ Sachsenhausen. Von September 1941 bis April 1943 existierte das eigenständige KZ Niederhagen, in dem mindestens 1.285 Menschen starben. Ab Mai 1943 wurde das Lager aufgelöst, doch knapp 50 Häftlinge blieben in Wewelsburg und wurden als Außenkommando dem KZ Buchenwald zugeordnet. Sie wurden Anfang April 1945 von US-Truppen befreit. Vor Ort gibt es heute ein Mahnmal sowie eine Gedenkstätte im Kreismuseum Wewelsburg.

Historische Situation

Bezeichnung

Zwischen September 1941 und April 1943 eigenständiges „KZ Niederhagen“, ab Mai 1943 „Kommando Wewelsburg“ des KZ Buchenwald.

Standort

Das Lager befand sich wenig außerhalb des damaligen Dorfes Wewelsburg (heute Büren-Wewelsburg).

Unternehmen

Die Zwangsarbeit erfolgte im Auftrag der SS-eigenen „Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmäler e. V.“ (GEFÖ), deren Vorsitzender Heinrich Himmler als Reichsführer-SS war. Geschäftsführer war Oswald Pohl. Himmler hatte die Wewelsburg 1934 für die SS gepachtet. Zunächst sahen die Pläne dort eine „SS-Schule Haus Wewelsburg“ vor, die jedoch nie einen Schulungsbetrieb aufnahm. Seit Ende der 1930er Jahre verlagerten sich die Planungen hin zu einem elitären Versammlungsort für höhere SS-Führer. Zentraler Teil dieser immer umfangreicher werdenden Konzeptionen war ein monumentaler Ausbau des Schlosses und umfangreiche Neubauten im direkten Umfeld. Die bis 1939 durch den „Freiwilligen Arbeitsdienst“ (FAD) und den „Reichsarbeitsdienst“ (RAD) durchgeführten Arbeiten mussten nach deren Abzug im Sommer 1939 durch Häftlinge des KZ Sachsenhausen übernommen werden.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge des Buchenwalder Außenkommandos wurden zwischen Mai 1943 und April 1945 vor allem in den Gärtnereien der SS sowie bei Umbau- und Sicherungsarbeiten am Schloss Wewelsburg und für handwerkliche Arbeiten in den Werkstätten auf dem Industriehof des Lagergeländes und dem Bauhof der SS-Bauleitung eingesetzt.

Gegründet

3. Mai 1943

Aufgelöst

2. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

49

Das Lager Wewelsburg durchlief unterschiedliche Organisationsformen und Zugehörigkeiten. Gegründet wurde es im Mai 1939 als Außenkommando des KZ Sachsenhausen. Von September 1940 bis August 1941 war es ein Außenlager von Sachsenhausen. Ab 1. September 1941 bestand es als selbständiges KZ Niederhagen-Wewelsburg. Nach dessen Auflösung im April 1943 wurde es ab Mai 1943 zum Außenlager des KZ Buchenwald umfunktioniert und die Häftlinge bis auf ein kleines „Restkommando“ in andere Lager verlegt.
Vor der Auflösung des KZ Niederhagen und der Einrichtung des Buchenwalder Außenkommandos im Frühjahr 1943 hatten rund 3.900 Männer das Lager durchlaufen. Insgesamt wurden mindestens 1.285 Menschen Opfer der miserablen Arbeitsbedingungen, mangelhaften Lebensmittel- und medizinische Versorgung sowie gezielter Ermordung. Das KZ Niederhagen wurde auch als Hinrichtungsort durch die Gestapo genutzt, an dem 56 Frauen und Männer exekutiert wurden.
Zum Zeitpunkt der Auflösung im April 1943 befanden sich noch mindestens 1.300 Häftlinge in Wewelsburg. Der Großteil von ihnen wurde daraufhin in andere Konzentrationslager überführt. In Wewelsburg, das nun als Außenkommando dem KZ Buchenwald unterstellt wurde, befanden sich zunächst 49 Häftlinge, davon 47 Zeugen Jehovas und zwei politische Häftlinge. Bis August 1944 wurden sieben Zeugen Jehovas in andere Lager überwiesen. Seitdem befanden sich in Wewelsburg bis Anfang April 1945 noch 42 Häftlinge.
Die Zeugen Jehovas des Kommandos Wewelsburg gründeten 1943 unter anderem eine illegale Druckerei und stellten heimlich religiöse Druckschriften her, die nach außen geschmuggelt wurden.
Die Bedingungen waren vergleichsweise erträglich, die Ernährung und medizinische Versorgung weitgehend gewährleistet. Todesfälle unter den KZ-Häftlingen sind zwischen Mai 1943 und der Befreiung des Außenkommandos durch amerikanische Truppen am 2. April 1945 nicht dokumentiert. Allerdings wurden die ehemaligen Gebäude des KZ Niederhagen von der Gestapo weiterhin für Inhaftierungen und Erschießungen genutzt.

Unterbringung

Die Häftlinge des „Außenkommandos Wewelsburg“ des KZ Buchenwald wurden im Industriehof des ehemaligen KZ Niederhagen neben dem ehemaligen „Schutzhaftlager“ untergebracht. Sie bewohnten dort eine gemauerte Werkstattbaracke.

Dokumente

Ehemaliges Lagergelände in der Wewelsburg 1946/47.
Das Foto wurde nach Kriegsende vom Obergeschoss des Torhauses aufgenommen. Die LKW auf dem ehemaligen Appellplatz verweisen auf die kurzzeitige Nutzung des Lagergeländes 1946/1947 als belgische Kaserne. Im Hintergrund links und rechts die ehemaligen Wohnbaracken des KZ (Kreismuseum Wewelsburg, Fotoarchiv).

„Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit“

© Herbert Naumann
© Herbert Naumann

Der Fotograf Herbert Naumann hat in den Jahren 2012 und 2013 die ehemaligen Standorte der Außenlager des KZ Buchenwald fotografiert. Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit häufig nur indirekten Hinweisen. Erst der sie begleitende Text stellt den Zusammenhang zwischen den dort begangenen Verbrechen und dem Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität und nimmt ihm seine Harmlosigkeit. Mit den Fotografien erhalten die Geschehnisse eine neue Aktualität; sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem erkennbaren, dem realen Ort verbunden.

Die weiteren Bilder von Herbert Naumann finden Sie unter www.herbert-naumann.de.

Heutige Situation

Seit 1982 gibt es eine Gedenkstätte im Kreismuseum Wewelsburg, die an die Geschichte des Konzentrationslagers und der Häftlinge erinnert. Am 2. April 2000 wurde ein Mahnmal auf dem ehemaligen Appellplatz eingeweiht. Die neu konzipierte Dauerausstellung in der Gedenkstätte („Ideologie und Terror der SS“) mit zahlreichen Originaldokumenten und Objekten (z. B. Häftlingskleidung, Barackenteile) wurde im April 2010 eröffnet. Auf dem ehemaligen Lagergelände steht noch heute der Baukomplex der ehemaligen Häftlingsküche. Ein Teil dieses Gebäudes wurde 2018 durch das Kreismuseum Wewelsburg angekauft und bis 2021 bauhistorisch untersucht und restauriert. Als Teil der Gedenkstätte wird dort über die Geschichte des Konzentrationslagers und seine Nachnutzung als Lager für Geflüchtete und Vertriebene nach 1945 informiert.

Standort des Gedenkzeichens

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Kontakt vor Ort

Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945 des Kreismuseums Wewelsburg Burgwall 19 33142 Büren-Wewelsburg

Telefon: 02955 76220 E-Mail: info@wewelsburg.de Internet: www.wewelsburg.de

Dokumente

Die ehemalige Werkstattbaracke des KZ Niederhagen in den 1970er Jahren.
Die ehemalige Werkstattbaracke des KZ Niederhagen in den 1970er Jahren. Damals wurde sie als Teil einer Schreinerei genutzt. In der Baracke waren zwischen Mai 1943 und 2. April 1945 die 42 Häftlinge des Außenkommandos untergebracht (Kreismuseum Wewelsburg, Fotoarchiv).
Ehemalige Häftlingsküche des KZ Niederhagen nach der Restaurierung 2021.
Der Anbau der ehemaligen Häftlingsküche auf dem ehemaligen Lagergelände des KZ Niederhagen nach der denkmalgerechten Restaurierung, 2021 (Foto: André Heinermann, © Kreismuseum Wewelsburg).

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
c/o Tourist-Information
Markt 10, 99423 Weimar

03643 747540

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Bitte addieren Sie 7 und 2.

Literatur

Brebeck, Wulff E.: Wewelsburg, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 611ff.

Brebeck, Wulff E. / Huismann, Frank / John-Stucke, Kirsten / Piron, Jörg (Hrsg.): Endzeitkämpfer. Ideologie und Terror der SS (Schriftenreihe des Kreismuseums Wewelsburg, Bd. 8), München 2011.

Ellermann, Norbert: Die Nachnutzungen des ehemaligen Konzentrationslagers Niederhagen in Wewelsburg von 1943 bis 1967, in: Zwischenräume. Displaced Persons, Internierte und Flüchtlinge in ehemaligen Konzentrationslagern (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Heft 12), Bremen 2010, S. 108-124.

John, Kirsten: „Mein Vater wird gesucht...“ Häftlinge des Konzentrationslagers in Wewelsburg, Essen, 4. Auflage 2001.

John-Stucke, Kirsten: Konzentrationslager Niederhagen/Wewelsburg, in: Benz, Wolfgang / Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 7: Niederhagen/Wewelsburg, Lublin-Majdanek, Arbeitsdorf, Herzogenbusch (Vught), Bergen-Belsen, Mittelbau-Dora, München 2008, S. 15-29.